 lange sie
trauern; aber dann -«
    »Verzeiht,« unterbrach sie ihn, »Ihr liesst mich nicht ausreden - ich wollte
sagen: um zum zweiten Male eine Torheit zu begehen. Ihr seh't, ich habe
Offenheit von Euch gelernt - und auf Heuchelei mich niemals verstanden!«
    Er drückte ihr die Hand und sagte: »Es ist doch Schade, dass Ihr kein Mann
geworden seid; Ihr könntet vielleicht einmal als mein Nachfolger Euer Glück
machen. Ihr versteht Euch darauf, Scherz und Ernst so zu vermengen, dass die
Wahrheit herauskommen muss - und die hören gewisse Personen nur in solchem
Gewande. - Wenn wir durch Wien reisen, werden wir Konrad Celtes treffen, der
dort an der Universität auch die Wahrheit redet und dafür wirkt, dass sie mit der
Schönheit die Gesittung und das deutsche Bewusstsein fördere in deutscher Nation
- darf ich ihm einen Gruß von Euch vermelden und Alles sagen, was wir hier
verhandelt haben?«
    »Alles!« antwortete sie; »sagt ihm, dass Elisabet s stolz ist auf
seine Achtung, wie es einst Elisabet Behaim auf seine Liebe war, und dass sie
der hohen Bahn sich freue, die sein Genius wandle. Sag't ihm, dass gleich wie er
bemüht sei, vaterländischen Sinn zu wecken unter den Gelehrten wie unter der
Jugend, und dem deutschen Volk zu zeigen, dass es eine Geschichte habe: -
Elisabet seinem Streben zu folgen vermöge, und so viel sie es selbst könne,
deutsche Art und Kunst mit fördern helfe in ihrem Kreise; dass sie alle Schätze,
mit denen sie gesegnet sei, fortan nur dazu verwenden werde, und dass wir, wie
weit getrennt auch immer, uns in jenem höheren Menschheitsleben begegneten, das
durch ein segenbringendes Streben für Andere, und wenn auch erst für spätere
Geschlechter, wenigstens in einzelnen Weihestunden für alle Entbehrungen
irdischen Glückes entschädigen kann!«
    »Und ich werde hinzufügen,« sagte Kunz als letztes Abschiedswort, »dass Ihr
mir sonst nur wie eine edle Königin, heute aber wie der Genius der leidenden
Menschheit erschienet, und dass Ihr von hier schiedet mit so strahlenden Augen,
wie eben dieser Genius, wenn er die Tränen von Tausenden getrocknet.«
    Aber Elisabet seufzte und schlug beschämt die Augen nieder. »Vielleicht
werde ich noch, wie Ihr denkt, dass ich bin - Eurem Genius gegenüber fühle ich,
dass ich doch nur als ein Weib kam, das nicht an Tausende, sondern nur an Einen
dachte.«
    Sie zog den schwarzen Schleier über ihr Antlitz - er verbarg ihr Erröten
und ihre Tränen.
 
                                Zwölftes Kapitel
                              Rache und Versöhnung
Überall im deutschen Reich und in den baierschen Landen zumal wie in den
angrenzenden Staaten, besonders auch im reichsunmittelbaren
