 verwirren will mit dem Glauben an Hexen und
Zauberspuk. Aber warst Du nicht der erste, der mir diese Elisabet zeigte, nicht
nur als das schönste, sondern als das aufgeklärteste Weib von Nürnberg? Und war
es nicht in demselben Augenblick, als ich die Rose wegwarf, die aus ihrer Hand
mich getroffen? Hab' ich sie nicht gemieden wie jedes Weib, hat sie nicht
dasselbe mir getan und hat nicht Deine Mutter gleich Dir sie gerade darum
gescholten, weil sie dadurch undankbar erschien? Ob eben durch dies Schelten,
durch diesen ungerechten Verdacht, ob durch ihre Schönheit oder durch Alles, was
ich von ihr sah und hörte, durch die Zeichen ihrer Geisteshoheit, die nur in
einzelnen Zügen und Worten sich mir offenbarten - ich weiß es nicht: aber ich
habe durch sie erst eine Ahnung bekommen von der Macht und Größe des Weibes -
durch sie erst gefühlt, dass unser Gelübde, seine Gemeinschaft zu fliehen, ein
schweres ist, das, wenn wir in allen Versuchungen treu an ihm fest halten, uns
Kraft geben muss, auch jeden andern Kampf im Leben oder in uns selbst siegreich
zu bestehen. Die Bewunderung, die ein schönes Kunstwerk uns einflößt, die
Andachtsschauer der Verehrung, die ich zuweilen empfand, wenn ich zur
Himmelskönigin betete, das Mitleid mit dem Leiden und Dulden anderer heiligen
Frauen, denen wir Monumente und Altäre weihen - das hab' ich für diese Elisabet
empfunden, und rechne mir diese Gefühle nicht als Sünde an, um so weniger, als
ich an ihre Tugend glaube und sie meiner Verehrung würdig finde. Ich wäre nur
unglücklich, wenn ich an ihr irre werden müsste. Unser Gelübde der Entsagung
bereue ich darum nicht, es erscheint mir nur in einem andern Lichte: ein
Freibleiben und Losgerissensein von irdischen Banden und Pflichten, die dem
Genius Fesseln anlegen können, der nur frei und allein sich entfalten kann - ein
Aufschwung und Aufstreben zur höchsten Freiheit, die sich selbst bewusst an das
Ganze hingibt und nur im Ideal Ziel und Schranken findet! - Sage mir,
Hieronymus, wenn man mich auch beschuldigt, wirst Du an mich glauben?«
    »Ich habe es getan bis zur Stunde,« antwortete Hieronymus, »und begreife
Deine Frage nicht, noch was Dich sonst so bewegt?«
    »Eine Ahnung,« antwortete Ulrich, »vielleicht auch die feierliche
Beklommenheit, die immer über uns kommt, wenn wir die letzte Hand an ein Werk
legen, an dem wir lange gearbeitet. Sieh', diese Halbsäule mit ihrem Hochbild
vorn ist bald vollendet,« fuhr er fort, auf eine solche deutend, aus der
Eichenzweige hervortraten, auf welchen ein Eichhörnchen saß, zum Sprunge
ausholend, indes von unten eine Schlange emporzischte, die
