 erschien es mir an der Zeit, jetzt eine
zweite Auflage davon zu veranstalten und es namentlich auch Allen, die sich für
die alte Reichsstadt und ihre einstige Kunstblüte interessieren, nochmals zu
bieten, als ein Denkmal ihrer Herrlichkeit - wie ja auch Holzschnitt und
Photographie sich eben jetzt noch bemühen, festzuhalten, was noch vom alten
Nürnberg steht, weil man ja nicht weiß, wie lange es noch der modernen
Zerstörungssucht widerstehen kann.
    Und so sende ich denn diesen Roman zum zweiten Male in neuer Gestalt und
nochmals durchgesehen, wenn sonst auch unverändert, hinaus in die Welt und
hoffe, dass er keine ungünstigere Aufnahme findet, als das erste Mal. Und somit
grüß' ich all die Freunde, die er schon fand und die er mir selbst erwarb - und
vor Allem grüße ich Nürnberg selbst und in ihm die Hüter und Förderer des »
Germanischen Museums«, denen ich mein Werk nochmals zu Füßen lege.
    Leipzig, 1874. Die Verfasserin.
 
                                  An Nürnberg
Du edles Nürnberg bist wie eine Blume
Im deutschen Reich, so herrlich anzusehen!
Du blühst dir selbst und aller Zeit zum Ruhme,
Lässt Balsamdüfte durch die Lande wehn!
Und deine Zauber wirken fort und fort
In Kunst und Wissenschaft, in Bild und Wort.
Dahin zog es von je die edlen Geister,
Die gern sich sonnen in des Lebens Glanz,
Die Herrn und Fürsten und die großen Meister
Von jeder Kunst im schön verbundnen Kranz.
Dort kämpfte man zuerst für Recht und Licht
Und huldigte der Schönheit und der Pflicht.
Auch ich sah dich - und deine Steine sprachen,
Von Allen Türmen hallte Glockenklang,
Und tausend Stimmen aus vergangenen Tagen
Vereinten sich wie feiernder Gesang,
In deinen Kirchen, deinen Monumenten,
Schrieb Kunst die Chronik mit geweihten Händen.
Die Baukunst, die dem Namen der Germanen
Die höchste Ehr im Tempelbau erschuf,
Und die, entrückt dem Eingriff der Profanen,
Die freie Steinmetzzunft weiht dem Beruf
Zu zeigen, wie das Ewige erscheint
Im Endlichen, wenn es die Kunst vereint.
Solch Ringen war's, das nach dem höchsten Ziele
Baubrüder von St. Lorenz hier gepflegt,
Wie sie einst aufgerissen die Profile
Albertus Magnus Lehre treu gehegt:
Das ward auch hier, auch mir ein Offenbaren
Vom Tempelbau des Schönen und des Wahren.
Und also ging ein Auf- und Vorwärtsstreben
Grad durch die Zeit und durch das deutsche Reich.
Die Reichsstadt durfte hoch das Haupt erheben,
Stellt' Bürgertum dem Fürstentume gleich,
Und nur dem Kaiser, den sie mit gebüret
Gab sie die Huldigung, die ihm gebüret.
Und edle Frauen durften stolz sich zeigen,
Die Kunst beschützen, wie die Wissenschaft,
Den Lorberkranz erwählten Dichtern reichen,
Die Anmut fügen zu der kühnen Kraft,
Und von der Blüte solchen
