 tat auch ich bei all diesen
Werken reiner Begeisterung und bei meiner eigenen ein Gelübde: zu versuchen, an
all diese Denkmale noch selbst durch ein geschriebenes Denkmal zu mahnen.
    Als ich wieder heimgekehrt, kam mir Nürnberg nicht aus dem Sinn - aber meine
Aufgabe schien mir zu groß, als dass ich gleich so ohne Weiteres an deren Lösung
gegangen wäre - konnte man doch von jenen Nürnberger Meistern selbst lernen, wie
man mit Ernst und Fleiß arbeiten muss, will man etwas Rechtes erreichen. Über
ein Jahr lang habe ich denn nur im Mittelalter und in Nürnberg im Geist gelebt;
ein Freund und Gönner, der Culturhistoriker Hofrat Gustav Klemm,
Oberbibliotekar der Königl. Bibliothek in Dresden, der früher selbst lange in
Nürnberg gelebt, war mir freundlich behilflich, Alles zu suchen, was jene
Bibliothek von alten Werken darauf Bezügliches enthielt - und nicht eher, bis
ich durch die fleissigsten Studien ganz auf dem gewählten Schauplatz zu Hause
war, ging ich an meine Arbeit. Aber ich wollte in ihr nicht allein ein
culturhistorisches Bild liefern, sondern auch ein poetisches Kunstwerk - wollte
Ewiges darstellen im Endlichen, wie es meine Helden - die Baubrüder, ja auch
selbst getan.
    So erschien denn mein »Nürnberg« 1859. Es war mein erster historischer Roman
- und ich hatte die Freude, ihn vom Publikum wie Kritik in gleicher Weise
beachtet und - was bei mir viel sagen will, da mein entschiedener
Parteistandpunkt mir immer viele principielle Widersacher schuf - einstimmig
anerkannt zu finden. Ich darf mich mit Freuden auf die Urteile der
angesehensten Zeitungen und auf Namen berufen wie Gutzkow, Alfred Meissner,
August Silberstein, Karl Frenzel, Ludwig Eckhardt, Hermann Klencke, Heinrich
Kurz, Hermann Marggraf u.s.w. Was mich aber am meisten freute, das war, dass aus
Nürnberg selbst mir die vielfachste Zustimmung zu Teil ward und dass Andere,
wenn sie nach Nürnberg reisten, mir versicherten, mein Buch sei dafür der beste
Führer.
    Jahre vergingen - die letzten Sommer führten mich wieder nach »Nürnberg« -
da grüßte mich dort mehr als ein Freund deutscher Kunst und Größe mit der bangen
Bemerkung: »Es ist gut, dass Sie jetzt noch kommen - denn bald werden Sie Ihr
Nürnberg nicht mehr finden!«
    Die Stadt, die bisher die Erinnerungen ihrer reichsstädtischen
mittelalterlichen Größe so treu gehütet, hatte an der Zerstörung derselben
begonnen - im Interesse des Nivellirungssystems der modernen Industrie sollten
die alten Mauerkronen fallen samt Türmen und Toren - -
    Da gedachte ich wieder meines Nürnberg und da ich erfuhr, dass die erste
Auflage bis auf das letzte Exemplar schon längst vergriffen war und ich darüber
nur keine Mitteilung erhielt, weil der Verlag, in dem es damals erschien, an
eine andere Firma übergegangen, so
