 er selbst mit einem Fuß auf den
Altarstufen knieend sie vor den Beschauenden entrollte, sprach Elisabet zu ihm,
als Beuerlein mit Andern in einiger Entfernung Anderes betrachtete: »Warum seid
Ihr nicht Maler geworden? Ihr wäret ein großer Künstler!«
    Da schüttelte er stolz das lange Haar aus dem edlen, von der Krankheit noch
bleichem Gesicht, und stolz und groß in Elisabet's flammende Augen blickend,
sagte er: »Die Kunst ist doch nur eine, ob wir ihr dienen mit Meissel und
Richtscheit oder mit Malerstab und Pinsel - sie hat nur einen Zweck: Gott zu
dienen und damit zugleich Andere zu demselben Gottesdienst zu entflammen. Mir
gilt es mehr in unserer freien Brüderschaft, namenlos, nicht als ein eitler
Einzelner, sondern als das Glied eines Ganzen, eines Leibes, wie es der Herr
Jesus Christus gesagt hat, zu streben, zu schaffen, nicht für profanen Ruhm,
sondern für die Ewigkeit des Kunstwerkes.«
    Elisabet antwortete darauf nur: »Stolzer Maurer!« aber Charitas Pirkheimer,
die seine Worte auch vernommen, rief in einer Art von Verzückung: »Ja! so ist
der rechte christliche Sinn: selbst Nichts sein wollen und ganz aufgehen im
gemeinschaftlichen Streben, dem Höchsten zu dienen.«
    Ulrich's Zeichnungen waren zur Einfassung des Bildes auf dem Teppich gewählt
worden. Seitdem arbeiteten die Nürnbergerinnen bei Elisabet daran und die
Baubrüder verrichteten die gewohnte Arbeit in ihrer Hütte, so dass sie nichts
wieder von einander sahen und hörten.
    So war der Winter zur Hälfte vergangen.
    Als Ulrich und Hieronymus jetzt zusammen saßen, sagte der Erstere: »Als ich
vorhin zur Vesperstunde bei Meister Kraft's Wohnung vorüberging, betrachtete ich
mir die schön gefrorenen Wasserstrahlen an dem Lindwurm vor seinem Hoftor, und
wie so mein Blick hinüber nach dem Fenster der Werkstatt streifte, war es mir,
als sähe ich dort denselben Benediktinermönch am Fenster stehen, der mir gleich
an dem ersten Tage meines Hierseins begegnete, wo mein Schwert seinen Rosenkranz
zerriss. Du weißt, diese zünftigen profanen Nürnberger Steinmetzen lieben es
nicht, wenn Einer von uns in ihre Werkstatt tritt, sonst wär' ich
hineingegangen, mir Gewissheit zu holen und ihm zu seinem Eigentum zu verhelfen,
das ich freilich nicht bei mir hatte und das ich auch inzwischen schier
vergessen. Mir schien, der Propst stand bei ihm - sobald ich ihn sehe, werde ich
nach dem Mönche fragen.« Er suchte das Kreuz, das wohl verwahrt in einer kleinen
Lade lag, und Hieronymus sagte:
    »Hättest Du Dir wirklich von diesem einmaligen Sehen die Züge des Mönches,
der uns schnell entschwand, so genau gemerkt, dass Du über Jahr und Tag ihn
wieder erkanntest?«
    »Er hatte etwas Eigentümliches in seinem
