 mehr: findet und bringt Beweise, lähmt seine Hand, seinen
Mut, macht ihn zum Lügner und Heuchler - noch mehr: nehmt ihm die ehelichen
Eltern, verratet Alles, was ihr jetzt denkt, im halben Wahnsinn vielleicht
hofft - kaum Tage werden vergehen, und er wird ein Ausgestossener sein aus der
Zunft der freien Steinmetzen; Schimpf und Schande wird über ihn kommen, die
seine stolze Seele nicht erträgt; mit Fingern wird man auf ihn zeigen, und es
wird ihm nirgends eine Freistatt werden für sich und seine Kunst und sein ganzes
verfehltes und verunehrtes Leben!«
    Anton Kress hatte lange nicht so viel und im Eifer gesprochen; kalter Schweiß
stand auf seiner Stirn, und wer ihn jetzt gesehen, der konnte ihm manches
vergeben und denken, dass in diesem Manne doch ein guter Kern war, an den man nur
einmal zu pochen brauchte, so klang er hell und rein, trotz der dichten Hülle
alltäglicher Erscheinung, die ihn umgab. In seinen Augen standen Tränen, und
während der Ausdruck seines Gesichtes sich drohend auf den Mönch richten sollte,
ward er vielmehr angstvoll und flehend.
    Dieser starrte vor sich nieder und sagte dann: »Wenn man fünfzehn Jahre im
Benediktinerkloster ist, so lernt man sich selbst beherrschen.«
    »Das ist nicht wahr, Bruder Amadeus, das ist von Euch nicht war!« antwortete
rasch der Propst; »denkt, in welchen Zustand Ihr vor anderthalb Jahren kamet, da
Ihr zuerst ihn wiedergesehen, nur seinen Namen und sein Alter erfahren hattet -
und als Ihr darauf hörtet: er sei tot!«
    »Eben weil ich das nicht vergessen kann!« sagte Amadeus; »es kam zu
plötzlich - und ich erlag. Seitdem hab' ich gebüßt und mich geprüft, und bin
vorbereitet. Aber wie könnt Ihr denken, dass ich etwas tun oder sagen würde, das
Ulrich's Dasein vergiften könnte? Ihr habt Ulrika vor mir verborgen, dass ich
weder weiß, ob sie noch unter den Lebenden wandelt oder nicht - und wenn ein
Wunder selbst mir Ulrich zugeführt, so habt Ihr kein Recht, Euch dem entgegen zu
stemmen.«
    Der Propst sah zwar noch kummervoll aus, aber um seinen Mund spielte ein
schlaues Lächeln, mit dem er sagte: »Glaubt Ihr wirklich an die Wunder der
Heiligen? Die haben wohl auch um Euretwillen das Weihbrodgehäuse umgeworfen? Was
bildet Ihr Euch ein, dass sie noch weiter tun werden? - Antwortet mir lieber
kurz und bündig: Was gedenkt Ihr zu tun, wenn ich nun wirklich Ulrich von
Strassburg und seinen treuen Gefährten, den blonden Hieronymus auf Arbeit in das
Kloster sende?«
    »Ihr kennt die strengen Regeln des Ordens,« sagte der Mönch: »ich
