 er auf das zurückblickte, was er einst war, je gewissensbanger er
an seine unwiderruflichen Gelübde dachte, desto ungestümer wuchs sein Verlangen,
in allem und jedem das reinigende Feuer der Bildung auf sich wirken zu lassen
und die Schlacken der Seele von sich zu werfen. Gerade Monika's religiöser
Freimut durfte ihn fesseln. Frauen von Geist und Grazie kannte er genug, Allen
war er wert; seine immer gleiche Weise war jeder weiblichen Natur willkommen,
besonders da, wo sie im Mann vorzugsweise nur einen Ableiter ihrer Laune zu
haben wünscht. Monika's Geist aber war positiv. Sie hatte Überzeugungen und
konnte Partei ergreifen. Die Menschen sind so dumm, so dumm! Mit einem Zorn
konnte sie das ausrufen, dass ihre Augen Funken sprühten. Terschka hatte nur
immer zu beruhigen und in die Bahn des Hergebrachten zu lenken. »Sie sind der
ewige Leimer und Versöhner!« sagte sie dann wohl. »Sie vermählen den Grosstürken
mit der Republik Venedig! Was wäre die Welt geworden, hätte es nicht Frauen von
Gesinnung gegeben! Perikles lernte Reden erst halten von Aspasien! Die Kraft der
Römer lag in ihren Gattinnen und Müttern! Die Frauen haben das Mittelalter vor
dem Übermaß der Barbarei bewahrt! An jeden großen Namen des siebzehnten und
achtzehnten Jahrhunderts knüpft sich eine Frau, die für ihn kämpfte, mit ihm
litt, seinen wankenden Mut befeuerte! Napoleon herrschte noch heute, wenn er
einer Frau von Geist, vielleicht der Staël, die ihn liebte - sie hasste ihn
wenigstens nur aus Liebe - hätte vergeben können, dass sie hässlich war!« Graf
Hugo sagte eines Tages in seiner trockenen und einfachen Art: »Das vergibt sich
schon, meine gnädige Frau, wenn man nur eine solche hässliche Frau nicht dann
auch sogleich wiederlieben soll!« Die Mutter fand den Beruf der Frauen für große
Eingriffe ins Leben vollkommen bewiesen durch die Schrift. Sie pries nicht die
immerhin etwas zweideutige Tat der Judit, wohl aber die der Deborah, die alles
Volk zum Kampfe wider Sissera auffoderte, ja jene Jaël sogar, die dem Sissera,
als er schlief, einen Nagel durch den Kopf trieb; nur hätten diese Frauen alle
dabei Gott die Ehre gegeben, was man von den ateistischen Gönnerinnen der
»Herren Rousseau und Voltaire« nicht sagen könne. »Chère maman«, sagte Graf Hugo
scherzend und voll Artigkeit den Dampf seiner Zigarre zum offen stehenden
Fenster hinausblasend, »il y en a encore beaucoup de femmes, die uns den Kopf -
vernageln! Mais, chère maman, - sie müssen hübsch sein!« Terschka vermittelte
und kam auf Napoleon zurück, auf Josephine Beauharnais, auf die Liebe eines
einfachen und rein - weiblichen Weibes - »Pah«, sagte Monika,
