 warf
er sich dem Freunde an die Brust und rief: Ich kann nicht ohne sie leben! Von
Rom kam eine dunkle Weisung, die fast an das Wort der Schrift erinnerte, dass ein
Sünder dem Himmel lieber wäre, als zehn Gerechte ...
    Pater Stanislaus sah das Maß der künftigen Reue sich mehren, wenn
Verhältnisse eintraten, die nicht auf die Dauer so bleiben konnten. Die
»Prolusio« malte es ihm aus: Endlich verlässt doch ein so vornehmer Herr seine
Geliebte wieder - vielleicht war es eine Verbindung wie die Ehe - die Gräfin
Paula verlangt nicht nur ihre standesmässige, sondern die volle, auch sittliche
Höhe ihrer Rechte als Gattin - der im stillen gedemütigte Gatte wird schwächer
und schwächer und muss der Gattin zuletzt - ein Opfer bringen, jenes, das, wenn
auch stumm, die Gattin und die Kirche verlangen ... Aqua Toffana das der
Jesuitenmoral! Gift aus einer nur zu vollkommenen Kenntnis unserer Natur
gezogen! Wo ist da noch Sünde, wenn das Leben des einzelnen nur ein Teil einer
großen Maschine wird, die wiederum nicht ein einzelner dirigier, sondern ein
großes Ganzes, das Anfang, Mitte und Ende immer zugleich im Auge hat! Damit die
Olive das klare, fliessende Öl wird, muss nicht nur ihre saftige Hülle, auch ihr
Kern zerstampft, auf der Mühle zermalmt werden; was kümmert dich die zerstörte
schöne Frucht, wenn aus ihr ein Höheres hervorgeht, das der Einzelne, haftend an
der flüchtigen, wenn auch schönen Erscheinung, gar nicht ahnen kann? Und es gibt
eine Linie, die, trotzdem dass sie nur Einem Pole zustrebt, doch schwankend ist
wie die Magnetnadel, die Grenze zwischen »Gut« und »Böse«. Die Übergänge sind
oft schroff; ganz deutlich unterscheidet sich das Öl vom Wasser; aber ebenso
oft auch rinnen sie ineinander und das schwache Herz, der Sünde schon verfallen,
glaubt immer noch unter der Herrschaft reiner und gerechtfertigter Instincte zu
stehen! Shakspeare sah die Jesuiten erst entstehen. Sein Richard III., der im
Stande war ein Weib am Sarge ihres ermordeten Gatten für sich zu gewinnen, hatte
jenen Basiliskenblick, der erstarren macht und jede moralische Entschlussnahme
tötet. Klingsohr, der, eben von der Leiche seines Vaters kommend, in einer
dunkeln Nachtstunde von einer wild tyrannischen, imponirend dämonischen, seinen
Idealen vom alten Feudalgeist des Mittelalters entsprechenden Natur überredet
wird, sie zu schonen - da gehen die schwindelnden Wege im Nachtleben des
menschlichen Gemütes, die niemand sicherer zu wandeln weiß über Dorn und
Klippe, fest an der Hand haltend den, den sie führen, als die Jesuiten ... Wie
sollst du dich dem Menschen nahen? Der Orden sagt: Ut si non bene ei succedant
negotia!1
