 ließ: »Du hast Recht,
mein Sohn, diese Schrift ist eine Lüge, die seit zweihundert Jahren entlarvt
ist! Ich weiß es, ein polnischer Jesuit schrieb diese Monita secreta aus Rache
an dem Orden, der ihn außstieß, weil Hieronymus Zaorowski zügellos und
unsittlich war und die Strafe seiner Obern verdiente. Nie haben diese
Anleitungen zur Erbschleicherei, zur Verführung jugendlicher Gemüter, zur
Bereicherung des Ordens, zur Verhetzung der Ehen, Verhetzung des Staatsfriedens,
in den Gesetzen der Gesellschaft gestanden, aber - die Monita secreta sind ein
Kodex ex post! Sie sind die niedergeschriebene Praxis des Ordens! Sie sind die
Tradition neben dem Grundtext! Der Talmud, wie mein alter Freund Leo Perl gesagt
haben würde, die Mischna und Gemara neben der Tora! Jener rachsüchtige Pole
erzählte scheinbar als verlangte Vorschrift, was sich nur durch die Verderbnis
des Ordens allmählich als selbstverständlich in ihm festgesetzt hatte. Ich nehme
ja einige glänzende Erscheinungen des Ordens aus. Aber die Gefahr desselben ist
darum dieselbe, die Gefahr, die schon in seinem eigenen Wesen liegt, sogar in
einer an sich geistvollen und denkwürdigen Eigentümlichkeit desselben ... Die
Jesuiten können für sich ein großes Verdienst in Anspruch nehmen. Sie können
sagen: Ihr alle habt bisher nur den Christen im Auge gehabt; wir sind die ersten
Priester gewesen, die auch dem Menschen ihre Aufmerksamkeit schenkten! Die Seele
ist es, die ein Lieblingsstudium dieses Ordens wurde. Die Jesuiten, zu allen
Zeiten von einem brennenden Ehrgeiz getrieben, wagten es, mit der Philosophie
einen Wettkampf einzugehen. Sie wollten dem Christentum die größten Glorien
erwerben, selbst die, einen Kartesius überflüssig zu machen - Da mussten sie denn
wohl in die Arena des Denkens steigen! ... Und nun dachten sie den Menschen. Sie
dachten ihn in der ganzen Schwäche, die uns Priestern durch den Beichtstuhl
geläufig wird. Sie dachten ihn mit jener unsaglichen Geduld und Liebe, die wir
für die Ausübung unsers Amtes gerade nach dieser Seite hin stündlich empfinden
müssen. Sie dachten ihn in jenen steten Momenten der Reue, der Halbheit, der
innern Wehmut, die Großes will und doch in der Ausführung wieder der Natur
unterliegt, und so entstand ihr berüchtigtes System der Erwägung, der Rücksicht,
der Entschuldigung, der halben und der Viertel-Sünde, jener sogenannte
Molinismus, der sich zuletzt noch unter dem Einfluss der von Paris und Versailles
ausgehenden galanten Kourtoisie und sentimentalen Veredelung früherer Roheit und
Brutalität der Hofsitten in eine Moral der ewig lächelnden und achselzuckenden
Duldung verwandelte und in die Absicht, in die Intention, in den
Rückhaltsgedanken die moralische Verantwortlichkeit setzte, gänzlich die höhere
und wahre Sittlichkeit preisgebend!« ... Für Wenzel von Terschka gab es kein
anderes Denken, als das in den Formen
