 zu begegnen. Zuletzt ist das Werk auch schon an sich ein wohltätiges.
Doch ist es nicht leicht. Wir haben über den jungen Krieger Nachrichten, die für
eine große Verehrung seiner Mutter sprechen. Solange sie lebt, würde er ihre
Irrtümer schonen und schwerlich ihr die Strafe zufügen, die sie schon um ihrer
Umtriebe willen gegen den Bischof von Cuneo und das Kapitel von Robillante
verdient! Auch denkt der Orden nicht an ein plötzliches und schnell errungenes
Resultat. Wir arbeiten in allem nicht für die Minute, sondern für das Jahr; ein
Jahrhundert bedarf es, um durch Tropfen einen Stein auszuhöhlen - Sehen Sie die
Statue des Sanct-Peter auf dem Vatican! Wer möchte glauben, dass man einen
Fusszehen von uralter felsenfester Bronze so allmählich - hinwegküssen kann! Es
gehört dazu eben ein Jahrtausend. Ihre Aufgabe geht in eine weite Fernsicht. Sie
dürfen sich Zeit dazu nehmen. Sie dürfen Ihr ganzes Leben daran setzen und
müssen es, um die Absicht nicht zu verraten, die Sie mit Ihrer Handlungsweise
verbinden - Sie legen Ihr geistliches Kleid ab! Der Orden dispensirt Sie von
jeder Rücksicht auf Ihren Stand! Sie bleiben, was Sie sind - nie verwehend ist
der Duft des heiligen Oels, das Sie salbte! Aber selbst das Zeichen der Demut
auf Ihrem Haupte müssen Sie schwinden lassen - Sie erhalten ein Patent als ein
auf unbestimmte Zeit beurlaubter Rittmeister in päpstlichen Diensten! Denn
gerade darin, dass Sie diesem Anschein, ein Krieger gewesen zu sein, auch
wirklich zu entsprechen verstehen, lag - liegt der Grund, warum gerade Sie zu
Ihrer Aufgabe gewählt wurden ...
    Wenzel von Terschka stand betäubt ... Darum hatte man an seiner
Vergangenheit keinen Anstoß genommen ... Darum gleich anfangs keine Erinnerung
an seine vergangene Laufbahn ... Die Aussicht, mit der Erhebung, mit der
Bildung, die er jetzt empfangen, ein weltliches Leben aufs neue, wenn auch nur
zum Schein beginnen zu können, machte ihn schwindeln ... Der Stand, eine höhere
gesellschaftliche Stellung, als die sein Vater bekleidete - alles wieder aufs
neue, wenn auch in anderer Art, anerkannt ... Gehoben und gehalten von
unsichtbaren, mächtigen Händen - - Er vermochte kaum sich zu sammeln und dem in
aller Würde, mit feierlichem Ernst, ja mit Fanatismus ihm geschilderten Plane in
allen seinen Einzelheiten zu folgen ...
    Es ist unwahr, wenn man behauptet, Ignaz von Loyola oder seine Schüler
hätten gesagt: Der Zweck heiligt die Mittel. Dies Wort findet sich nirgends in
ihren Konstitutionen. Aber der Dechant von Sanct-Zeno, Franz von Asselyn, sagte
schon einst zu Bonaventura, als dieser über ein Pamphlet eiferte, das die
»Geheimen Verordnungen« der Jesuiten neu wieder abdrucken
