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Anspruch nehmen dürfen! Gelang es schon in alten Tagen, das schöne Salzburg zu
entvölkern und seiner reichsten Untertanen zu berauben, die man zuerst mit dem
Gift der kaum überwundenen Ketzerei verdarb und dann mit Geld und Gut in die
protestantischen Lande lockte; gelang es erst in unsern Tagen, sogar aus dem
altgläubigen, so gottgetreuen Tirol Kolonieen nach dem uns gleichfalls wieder
zurück zu erobernden Schlesien zu entführen: wie soll es werden, wenn mit Hilfe
Englands immer weiter auch in das Herz Italiens hinein rechtaberisches
Bibellesen und streitsüchtiges Dogma sich verbreitet? Dem Frevel dieser
deutschen Gräfin ist ein Ziel zu setzen! Für ihre Dreistigkeit gebührt ihr
ebenso eine Züchtigung, wie ein Vorbau den Erfolgen, die sie erringt oder
erringen könnte ...
    Die Aufregung des Generals war so groß, dass er aus der italienischen Sprache
wieder in sein heimatliches Idiom verfiel. Terschka konnte, wie er wusste, mit
völligem Verständnis folgen ...
    Diese gefährliche Frau, fuhr der General fort, hat einen Sohn, der in diesem
Augenblick bei einem kaiserlichen Reiterregiment noch als Lieutnant steht ... Er
wird aufsteigen. Sein Glaubensbekenntnis ist das seiner Mutter. Sein Name ist
ein hochgefeierter, wenn auch seine Mittel gemessen sind. Binnen kurzem dürften
ihm bedeutende Reichtümer zufallen; denn eine zweite, rechtgläubige Linie, im
Innern Deutschlands, ist im Begriff auszusterben. Es existiert nun zwar eine alte
Urkunde, der zufolge die Bedingung, unter der die wiener Linie diese großen
Besitzungen der andern Linie antritt, die Religion der aussterbenden sein müsse
... Diese Urkunde findet sich leider nicht. Sie wird seit Jahren gesucht ...
    Terschka horchte nur immer ... Ein eigenes Urteil zu fällen wurde er nicht
aufgefordert und fällte selbst keines ... Er wartete auf die genauere Angabe des
Gegenstandes, auf den er zu achten hatte. Von der Weisheit der Väter seines
Ordens war er vollkommen überzeugt ... ...
    Der General verweilte jedoch nicht bei der Urkunde, sprach nicht von der
Kunst jenes deutschen Konvertiten Kaspar Scioppius aus der Pfalz, der sein
ganzes Leben an die Verherrlichung der Kirche gesetzt hat und seinerseits einer
der berüchtigsten Falsarien war. Unter der Autorität von Kaisern und Königen und
mit dem Titel eines Grafen von Klara-Valle fälschte er im 17. Jahrhundert
Stammbäume und Urkunden, veranlasste Processe dadurch und entschied sie. Vierzehn
Jahre lebte er in Padua bei verschlossenen Türen, aus Furcht, von seinen
Gegnern, die zufällig Jesuiten waren, ermordet zu werden ... Er hasste sie und
sie hassten ihn, nicht ihrer Moral wegen, nicht seiner Falsa wegen, sondern weil
sie ihm sein Latein corrigirt hatten und er ihnen vorwarf, dass im Gegenteil sie
keins schreiben könnten ...
    Terschka lauschte mit
