
Stelzfüsse, aber arme unglückliche Seelenkrüppel genug gibt! Bona, Bona - nun
komm' ich doch in die Reformen! Man sagt, unterm Mikroskop wäre unser reinstes
Quellwasser voll garstiger Infusorien - und Windhack behauptet das auch und
verleidete sich dadurch schon zu lange das Wasser und trinkt fast zu viel vom
Kocherer Wein -; aber an dem Sold, von dem der Priester sein Dasein bestreitet,
lässt man ihn täglich zu schaudervoll sehen, wo er herkommt, lässt ihn zu nass aus
allen Taufbecken in unsere Hand gleiten, wo auch noch jeder Seufzer oder Fluch
der Armut frisch am Gegebenen klebt ... Schule und Kirche möcht' ich doch so
lange, bis die Heiden oder andere Apostel kommen und eine neue Religion bringen,
vom Kleinhandel des eigenen Erwerbs befreit sehen.
    Priesterwürde! Das lass ich vorläufig gelten! Aber sieh' Dich nur recht um
und überzeuge Dich, wie jetzt nur ein ganz gewöhnlicher Unzufriedenheitsstoff,
der in der Welt lagert und sich gern möglichst loyal und ohne zehn Jahre Festung
austoben möchte, diesen neugepredigten Anhalt an Rom sucht! Der Jakobiner
versteckt die rote Mütze unter der Kapuze, der Provinzialgeist stemmt sich
wider die Centralisation, den katholischen Plattdeutschen beschämt das vornehme
Air des luter'schen Hochdeutschen, der Jurist vom Kode Napoléon will nichts vom
Landrecht, die Fürsten im Süden fürchten die Kraft der Fürsten im Norden; bloß
das, das, das gibt den feurigen Teig des jetzigen Umschwungs wie bei der Bildung
der Erdrinde. Die Jesuiten und Jesuitengenossen kennen das alles und kneten den
Teig und machen sie auch nur kleine Agnus Dei daraus, all ihre Süsslichkeit
riecht nach Pech und Schwefel ... Du wirst Geistliche bei Witoborn sehen, die so
liebfromm sind, dass sie sich nicht mehr die Zähne putzen, bloß, weil sie
fürchten, dabei Morgens, ehe sie nüchtern Messe zu lesen haben, etwas Wasser zu
verschlucken! ... Und worauf beruht diese Dumpfheit des Geistes bei den Bessern?
Auf dem Glauben, dass man - Vater, Mutter und Heimat kränke, wenn man irgendwie
vom Altergebrachten abgehen wollte! Dem Gemüt schließen sich auch hierin
Eigensinn und Eitelkeit an. Man glaubt, dass man von der Aufklärung wegen
äusserlicher Dinge verspottet werde, wegen seiner Aussprache, wegen seiner
dürftigen Gegend, wegen der Zurückgebliebenheit seiner Städte ... Nun trotzt
man, doch auf seinen einsamen Höfen und Kampen die Lerche so gut trillern hören
zu können, wie im schönsten Schweizertal, trotzt, dass man in seinen dürftigen
Städten doch manches liebe mit wildem Wein bewachsene Haus kenne, manches
Fenster, wo Mädchenköpfe auch hinter Blumen herausschauen, wenn auch hier die
Liebe nur plattdeutsch spräche ... Und so hält man denn mit Zähigkeit gerade
fest an seinem Zopf! Das ist
