 und höchst wichtige Zimmer -
    Ein durchbohrend strafender Blick Müllenhoff's verwies ihn zum Schweigen ...
    Ich will die Schlüssel zu diesen Zimmern haben! sagte er zu Bonaventura mit
scharfer Bestimmtheit.
    Herr Pfarrer, dieser Eingang führt erst durch die Bibliothek und durch das
Archiv! Der Baron hat ja nichts davon hören wollen ...
    Müllenhoff beherrschte sich ...
    Ich will, sprach er wie mit einem Märtyrerblick auf Tübbicke und jedes Wort
betonend, ich will auch in die Sakristei der Schlosskirche meinen eigenen Eingang
haben! Wenn dieser durch das Archiv führt, so gebührt mir um so mehr ein
Schlüssel zu demselben, als die Urkunden und Kirchenbücher der Pastorei
gleichfalls in demselben aufbewahrt werden!
    Der Patron ist, soviel ich weiß, dafür verantwortlich! sagte Bonaventura.
    Seit neun Jahrhunderten! setzte Tübbicke hinzu ...
    Schweigen Sie! brach Müllenhoff jetzt aus - mit kindlich gemässigter Stimme
aber, als fürchtete er, zum blutdürstigen Tiger zu werden, fuhr er zu
Bonaventura gewandt fort:
    Ich bitte, Herr von Asselyn! Es ist mir nicht angenehm, in meiner
bürgerlichen Tracht erst durch die Kirche zu gehen und dann hinterm Altar erst
Toilette zu machen. Ich will, dass die Gemeinde, auch selbst die vornehmste, mich
gleich nur in meinen Priestergewändern sieht. Der Schlüssel zum Archiv soll von
mir wie ein Heiligtum verwahrt werden.
    Bonaventura setzte sich mit dem Versprechen in den Schlitten, die Sache nach
Wunsch zu ordnen, wenn es irgend tunlich wäre ... Noch standen Menschen
draußen, die den so lange Erwarteten noch einmal sehen wollten ... Mit einem
Blick des Neides sah ihm Müllenhoff nach, als er von dannen fuhr, und verwies
die Umstehenden, sich nun nicht länger aufzuhalten.
    Norbert Müllenhoff war ein noch zelotischerer Geistlicher als Beda Hunnius.
Dieser hatte in seinem reformatorischen Wirken doch nur die Lehre und den Kampf
mit der Protestantischen Welt vor Augen, jener gehörte schon ganz den jungen
Geistlichen der Michahelles'schen Richtung an, die in Allem eine
Wiederherstellung des alten kirchlichen Lebens wagten und die Axt nicht bloß an
die Zweige, sondern an die Wurzel selbst legen wollten. Norbert Müllenhoff war
ein Priester im Geist des Kirchenfürsten. Ein Bauernsohn, zeigte er die ganze
Kraft, Energie und Selbstgenüge, wie sie hier zu Lande den Nachkommen der alten
Sachsen eigen ist. Sein Äußeres drückte einen ursprünglichen Beruf zur
Tätigkeit, zum Krieger, Geschäftsmann, Arbeiter auf einem Felde des mutigen
Bewährens aus; aber trotz seiner gewölbten Brust, seiner Stimme wie ein Löwe,
war er zum Geistlichen bestimmt worden, wie bei diesen Bauern Sitte ist, die
selbst bei Vermögen nicht unterlassen können, eines ihrer Kinder der Kirche zu
weihen. Zwar machte Norbert den ganzen Weg, der in diesem
