, seltsame Mädchen? fragte sie, als er zurückkehrte ...
    Sie stand allein und Terschka nützte seinen Vorteil. Zwar machte er ihr
ernstliche Vorwürfe, doch wurden sie von der Glut seiner Huldigungen gemildert
...
    Monika hörte nur wenige seiner Worte, riss sich los und trat wie fliehend aus
dem Zimmer ...
    Der Abend rauschte und wogte dahin ...
 
                                       8.
Die Worte der geistesstarken jungen Frau, die Widersprüche zweier Pole im
Katholizismus - die größte Abhängigkeit und doch eine eigentümliche Freiheit -
hatten Lucinde in alle Gedankenreihen gestürzt, die ihr vorzugsweise schon oft
bei Serlo's Memoiren entstanden waren ...
    Aber mehr, mehr als alles, was sie zu einer würdigen Denkerhöhe, zu der auch
sie so viel Berechtigungen in sich trug, emporheben und ihr den oft bitter
errungenen, aber tiefinnerlich beglückenden Stolz, in solcher Höhe einsam zu
stehen wie Alpenhäupter, erhaben über die alltägliche Denkweise der Menge, hätte
einflößen können, quälte sie ihr eigenes Geschick ... Paula - Bonaventura -
Hildegard - der Benedictiner Gottfried - alles das überwältigte und lähmte jeden
Aufschwung ...
    Ein großer Unterschied zwischen Monika und Lucinden! Monika eine Frau und
liebend das Gute um des Guten willen. Lucinde ein Mädchen - den meisten ihrer
Gesichtspunkte fehlte Ernst und Festigkeit und das Gute liebte sie nur, weil das
Gute in den meisten Fällen das Klügere ist. Monika entsagte schon lange dem
Leben und stellte sich entschieden auf sich selbst. Lucinde suchte einen Anhalt.
Nicht von Hause aus saß Neid in ihrer Brust, aber er nistete sich mit der Zeit
durch ihr Unglück ein. Die Unglücklichen sind neidisch. Sie werden sich immer
sagen, dass sie sich ebenso berechtigt glauben zum Glück wie die Glücklichen ....
Seltene, Edelste deines Geschlechts, ich habe dich lieb, ich bewundere dich,
nimm mich in deine Freundschaft auf! Das konnte Lucinde nicht zu Monika sagen.
Sie fühlte die anziehende Kraft dieser Frau, sie sah ihr liebliches Kind in
ihren Zügen wieder und doch hätte sie nicht einen Schritt tun können, ihr mehr
zu huldigen, als ihr Geist verdiente. Die Geringschätzung der katholischen
Lehren würde sie wenig gestört haben ...
    Schon auf der Treppe zu Delrings hinauf, wo sie etwas von Pitern zu erfahren
hoffte, lachten sie die gewöhnlichen Larven ihres Innern an und sagten von der
Frau in den silbernen Locken: Sie ist mit ihrer Familie verfallen! Sie hat unter
den Vorurteilen derselben zu leiden! So jung noch, so schön, und sie soll
entsagen! Herr von Terschka ist ihr Anbeter! Vielleicht gar Graf Hugo! Was
sprach sie nur von Kastellungo? Von den Waldensern, die auch damals - den
Hedemann so interessirten? ...
    Rein
