 den Ghibellinen und den
Deutschen verwüstet haben und lässt alles, was ihm persönlich oder seinem Prinzip
misgünstig scheint, in der Hölle gemartert, gesotten und gebraten werden. Eine
grellere Einbildungskraft hat es noch nie an einem Dichter gegeben, als sich
hinzusetzen und zu grübeln) welche Qualen dem oder jenem seiner Feinde einst zu
Teil werden würden! Und wen wirft er nicht alles in seine Hölle! Einen Brutus,
einen Kato, einen Kassius! Überall wittert er Unordnung in seinem Sinn und
Freiheit und was darunter die florentinischen Gilden verstanden haben mögen, die
nur seinen hohen Wert nicht anerkannten, nicht seine gelehrten Verse mochten,
in die er, wie er sagte, seine Feinde lebendig einmauern wollte. Beatrice liebte
er, nur um ein Ideal für seine Phantasie zu haben; im Leben und als Person war
sie ihm völlig gleichgültig. In der Tat, wenn ich die wie mit Gift
geschriebenen Verse Dante's lese, diese lang hingezogen sich ringelnden
Terzinenschlangen und Molche, diese dem Verstand abgequälten Bilder und
Allegorieen, zu denen man, um sie zu verstehen, dicke Kommentare lesen muss, so
könnt' ich mich wie eine welfische Löwin fühlen, die mit dem demokratischen Hass
eines Vorstehers der florentinischen Schustergilden dem Adler der Ghibellinen
den Kampf anbieten könnte. Ich sympatisire dann mit den Mönchen, die auf den
Zinnen der italienischen Mauertürme gegen die Ghibellinen kämpften -
    Ein Savonarola war unter ihnen! fiel Monika voll Staunen und gesteigerter
Teilnahme ein ...
    Pötzl, der Träger der Bologneser, unterbrach eine fast leidenschaftliche
Annäherung Monika's und sprach heimlich mit Lucinden ...
    Monika fuhr inzwischen fort:
    Und da muss ich wieder Mutter Hildegard eine wunderbare und liebliche Poetin
nennen. Die blickt auch in die Hölle, aber sie schmort und kocht und foltert die
Gottlosen doch nicht so greulich, wie dieser Dante, dessen Bild mit seiner
langen Nase und dem dicken über die Kapuze gezogenen Lorberkranz ich nie sehen
kann, ohne an ein altes Weib zu denken ...
    Lucinde wurde zur Kommerzienrätin abgerufen, die bei ihrem fortwährenden
Patrouilliren und dem dutzendmal wiederholten Worte: »Haben Sie denn auch ein
Glas?« naturgemäß jetzt überall auf Pitern zurückkommen musste. Das Muttergefühl
und die Sorge der Hausfrau siegte über die Liebe zu den Bolognesern und zu den
Hausfreunden und zu hundert Fremden, mit denen sie Konversation begann und nach
fünf Worten wieder abbrach. Lucinde bekam den bestimmtesten, ja von
»Verzweiflung« dictirten Auftrag, eine Recherche nach der jetzt constatirten »ja
furchtbar ängstlich werdenden und ein Unglück ahnen lassenden« Abwesenheit
Piter's anzustellen.
    Sie musste sich besinnen, dass sie hier im Hause eine Dienende war ...
    Monika sah, dass Terschka ihr einige Schritte folgte ...
    Wer ist das schöne
