 gaukelten wohl
zu allen Zeiten vor seinen Augen die hundert Fälle, die die Vorsicht der
römischen Kasuistik über die Tatsachen des Ehelebens oft mit einer Nacktheit
und Natürlichkeit aufzählt und niedergeschrieben hat, die nur aus Herzen kommen
konnte, die sich zum Kölibat verpflichten. In allen diesen spanischen und
italienischen Vorwegnahmen der durch die Liebe heraufbeschworenen
Gewissensleiden ist jener wahren Empfindung wenig Rechnung getragen, die aus den
reinsten Tiefen des Herzens stammt. Bonaventura las im Sanchez, im Bellarmin, im
Lambertini die hundert Fälle, wo in der dort gebrauchten Sprache Kajus die Rosa
liebt, Rosa den Titius, Tatsachen der Liebe, die das Licht des Tages scheut,
nicht jener, die nicht erwidern will ohne das offene Bekenntnis ihrer Neigung
vor der Welt; nicht jener, die der innern Heiligung des Menschen zum Segen
werden kann und die die Kirche zum Fluche macht; nicht jener, die mit Verachtung
solche Licenzen zurückweist, wie sie die Toleranz der Gewissensräte anrät und
nur mit Gebeten und Almosen gebüßt wissen will; nicht jener, die nach Neigung
wählen und in der Freiheit, frühere Irrtümer zu berichtigen, vor gläubigen
Seelen sogar durch das Beispiel der Patriarchenzeit geheiligt ist; nicht jener,
die uns deshalb nur allein wahrhaft frei macht, weil sie die ewigen und
unwiderleglichen Gesetze der Natur zu Gesetzen der Sitte, der Vernunft und des
göttlichen Willens erhoben hat ...
    Bonaventura's Stocken beängstigte die Beichtende, die es um sich her immer
lebhafter werden hörte ...
    Ich komme wieder! sagte sie, um abzubrechen ...
    Sie sprachen von keinem Bunde, den Sie wirklich schließen wollen, hielt sie
Bonaventura, sondern nur von der Beunruhigung Ihres Gewissens, wenn Sie ihn
schließen wollten. Warum begeben Sie Ihr Nachdenken in eine Gefahr, der sich
auszusetzen Sie nichts zwingt?
    Will man denn nicht das, erwiderte Monika, was uns ein Anhalt des Lebens
sein soll, gegen alle und jede Möglichkeit der Anfechtung stark und sicher
sehen?
    Die Gefahr wird an Ihnen vorübergehen!
    Und wenn nun nicht?
    Der Priester musste sich's so natürlich denken, dass eine so gestörte Ehe
damit enden konnte, dass eine junge, wie er nun hörte, mit Vorzügen des Geistes
ausgestattete Frau noch einmal eine Bewerbung fand, der sie nicht widerstehen
konnte. An Armgart mochte er sie nicht erinnern, da er deren den Eltern
gegenüber durchgeführte Gesinnung kannte und der Beichtenden nicht verraten
mochte, dass ihre Person ihm kein Geheimnis war. So blieb ihm nichts übrig, als
die Zweifel, die auch an ihm in diesem Punkte nagten, zu überwinden und das zu
tun, was er in seinem Berufe schon manchmal recht schmerzlich sich mit den
Worten gestand: Wir gleichen den Aerzten, die aus Mangel an Erkenntnis und einer
wahren
