, den ich früher einschlug, alles, was mir
sonst Gott hieß, gerade anders zu nennen! sagte Monika und ihre Gedanken
verweilten einen Augenblick bei der Gräfin Erdmute, die noch gestern beim
Abschiede gesagt hatte: »Der Herr schenkt mir ein gutes Reisewetter, etwas Frost
und gute Wege!« Nun aber sprach sie: Meine Zweifel über Gott werden sich wieder
beruhigen; schwerer die über die Kirche und über die Wahrheit des katholischen
Glaubens!
    Bonaventura wallte fast auf mit den Worten:
    Sie sind so arm an Glauben und sind schon wählerisch? Sie hungern und
dürsten und bemäkeln schon die Speise, die Ihnen gespendet wird? Wahrlich, die
milden Guttäter müssen sich viel gefallen lassen!
    Fast bereute er dann sein hartes Wort und blickte deshalb ein wenig auf.
Groß und voll senkte sich der Strahl zweier dunkelbrauner Augen auf ihn herab,
ein wehmütiger Zug um den Mund milderte einen Anflug von Bitterkeit in schönen,
regelmäßigen Zügen. Er musste des Obersten gedenken. Er musste sich sagen: Diese
beiden Menschen sind sich so ähnlich und fliehen sich!
    Mit sinnendem Ernste, bei dem sich die Augen wieder verkleinerten und die
großen Sterne wie in das tiefste Innere zurückzogen, sprach Monika:
    Ich weiß vollkommen, was wir an unserer Religion besitzen! Sie ist kein
Gedanke, der soeben von heute aus dem Haupte eines erleuchteten Geistes sprang.
Sie ist eine ehrwürdige Überlieferung, eine große Weltbegebenheit, aus der wir
entnehmen dürfen, was wir für uns nutzbar machen können. Ich werfe es den
Protestanten vor, dass sie sich die Bürde auch des Ballastes an ihrem
Lebensschiff viel zu leicht gemacht haben. Ist man Christ, so soll man auch die
Geschichte seines Glaubens tragen. Oft hab' ich mir gesagt: An allem, was unsere
Kirche festhält, ist etwas, was uns irgendwie immer wieder versöhnt, wenn wir
dann auch wieder einer zweiten andern Formel nur mit schwerem Herzen genügen.
Dann aber - plötzlich tritt doch ein Widersacher in uns auf, den ich nicht den
Teufel nennen kann. Unser Herz stößt plötzlich einen Hülfsschrei aus und lechzt
nach der Natur. Ich habe nie über diese Dinge so nachgedacht, als seitdem ich
Rechte des Herzens zu haben glaube. Ich bin nicht glücklich vermählt. Gesetzt,
ich würde noch einmal lieben können, unsere Kirche verböte mir das. Wie soll ich
da nicht an ihrer Göttlichkeit zweifeln!
    Bonaventura blickte bei diesen sicher und fest gesprochenen Worten im Geist
auf seinen eigenen Vater, seine eigene Mutter, jenen, der vielleicht noch lebte
und sich der Welt entzog, nur um dieser eine zweite Ehe zu ermöglichen ...
    Diese zartesten Fragen des Beichtstuhls hatte er erst in seiner jetzigen
Wirksamkeit kennen gelernt. Sie kamen auf dem Lande nicht vor. Es
