 hier bei den Karmeliterinnen, nicht etwa Näharbeiten
fertigt, höchstens ein paar Unterrichtsstunden gibt und die übrige Zeit im
Müßiggang vertändelt, sondern in ein Krankenhaus, in dessen stündlichem
Geschäftsgang ich die Vergangenheit vergessen wollte, da milderte sich auch hier
ein wenig das Mistrauen und ich muss schon über mich wachen, nicht etwa mich mit
Lorbern zu schmücken, wenn ich von Ihnen und meinem Tode in Ihrem Kloster
spreche.
    Statt Armgart soll die Gräfin nun nach England eine Italienerin begleiten,
ein junges Mädchen, das die Gräfin aus ihren Besitzungen in Piemont kannte und
hier wiederzufinden sich wahrhaft gefreut hat. Die Gräfin ist die Güte selbst
und würde alles glücklich machen, wenn sie dazu die Mittel besäße. Sie warnten
mich vor ihrem Lutertum! Freundin, seit den langen Jahren, dass ich an Ihren
Krankenbetten lebte, hab' ich über die Religion in jedem Augenblick nachgedacht,
nie aber über den Unterschied der Religionen. Auch Sie, teure Freundin, Sie,
Äbtissin der Hospitaliterinnen, die Sie noch zu den Barmherzigen Schwestern
alten Stils gehören, nicht zu den neuen, mit denen Vincenz von Paula den
Jesuiten ein Geschenk machte, Sie haben mir ja selbst - wie oft gestanden, dass
Sie die Zumutung nicht ertragen würden, die Ihnen die Römlinge stellen, in Ihr
Kloster neue religiöse Vorschriften einzuführen! Eines kann der Mensch nur
vollbringen, entweder Gott in der Erfüllung seiner Pflicht dienen - oder sich
ganz der Betrachtung ergeben und ausruhen und phantasiren und träumen. Wenn Sie
noch beten und singen sollen, sagten Sie selbst, können Sie nicht die Kranken
pflegen. Die wahre Religion ist die Pflichterfüllung und ein ganzes Versenken
nur in sie allein. Das beste Gebet ist eine Tat, die auf Gottes Beistand
deshalb rechnet, weil sie gut ist. Ich höre hier zuweilen die Predigten eines
neuen jungen Domherrn, eines Verwandten unsers Benno von Asselyn, der einen
außerordentlichen Zulauf hat und der noch der Last der an ihn gestellten
Zumutungen, namentlich im Beichtstuhl, erliegen muss, wenn er sich nicht
Schonung gönnt. Noch neulich sprach er die Worte, die ich nur gewünscht hätte
von ihm weiter ausgeführt und auf die Gegenwart anders gedeutet zu sehen: Wir
bewundern und fassen es jetzt gar nicht mehr, wie das Christentum in den alten
Zeiten verherrlicht und bekannt wurde! Nicht nur war es die tägliche Ordnung
alles Lebens, des öffentlichen wie des gesellschaftlichen und häuslichen,
sondern der stündliche Ausdruck jedes Gefühls, jedes Gedankens, der stete
Begleiter des Seufzens im Kummer, wie der Begleiter des Jauchzens in der Freude.
Festzüge sah man und sie verherrlichten nur die Vorgänge der heiligen Geschichte
- er strafte damit den kindischen Kummer um den verbotenen Karneval -; man sah
Schauspiele wie jetzt und sie unterhielten durch die Geschichte der Passion;
jeder
