 mit ihnen peinlich
macht, zumal wenn man mit einer Protestantin auftritt, die so entschieden wie
die Gräfin an ihrem Bekenntnisse festhält und hier überall mehr Mistrauen und
Feindschaft, als Entgegenkommen findet. Die Rechte ihres Sohns auf die
Dorste'schen Besitzungen sind unantastbar; die Processe, die man dagegen
aufbrachte, sind in drei Instanzen zu Gunsten des Grafen Hugo entschieden
worden. Terschka ist schon nach Westerhof, um die Übernahme der Güter und die
Verständigung über Paula's Zukunft zu beschleunigen. Sie kennen meine Verehrung
vor der hoheitsvollen Gesinnung dieser ehrwürdigen strengen Matrone. Schon mit
ihrem Erscheinen entwaffnet Gräfin Erdmute jede Feindseligkeit; selbst der
gefährlichste ihrer Gegner, der Procurator Nück, windet sich vor ihr, als wenn
schon ihr Blick etwas Zähmendes und Bändigendes hätte; gerade ihm gegenüber tut
die sittliche Macht des festen Willens und der reinen Überzeugung auch not, da
er noch bis zur Stunde, obschon alles für seine Klienten, die Geistlichen, die
Klöster, die Stifte, die Landschaft, verloren ist, sich dem Unvermeidlichen
nicht fügen will, zumal seit dem 10. Dezember, wo von Rom aus hier alles wie mit
unsichtbaren Schwertern bewaffnet ist.
    Eine freundliche Erscheinung waren mir die beiden jungen Männer, die an
jenem für mich so schmerzlichen Sonntage Armgart auf ihrer Flucht begleitet
hatten. Benno von Asselyn arbeitet bei Herrn Nück und musste sich leider als ein
Gegner der Gräfin einführen. Doch verständigte die würdige Frau sich bald mit
dem jungen unterrichteten Manne, der für einen Neffen des Dechanten gilt, aber
nur ein Adoptivsohn seines Bruders ist und eine Spanierin zur Mutter haben soll.
Der andere ist ein junger reicher Kaufmann, Namens Tiebold de Jonge, eine
heitere, lebensfrohe Natur, etwas beschränkt, aber desto reicher ausgestattet
mit jenem Enthusiasmus, der bei allen Dingen immer präsent ist, was man bei den
blasirten jungen Männern dieser Tage nur noch selten findet. Herr de Jonge
gestand mir in aller Offenheit, dass er mich nur mit großem Mistrauen betrachte,
denn sein Herz gehöre dem Obersten, der ihm vor einigen Jahren in Kanada das
Leben gerettet. In Wahrheit aber gehört sein Herz nur Armgart. Sie scheint schon
früh das Talent zu haben, die Männer zu verwirren. Herr von Asselyn und dieser
junge Kaufmann lieben sie beide und ich weiß nicht, wem sie den Vorzug gibt.
Wenigstens scheinen sich die jungen Männer resignirt zu haben, sich ihrem eignen
Ausspruch zu unterwerfen.
    Natürlich war ich auch ihnen eine ganz herzlose Mutter. Erst seitdem sie
zufällig in Erfahrung brachten, dass ich damals, als ich mich von meiner
Krankheit erhob und im Spiegel mein graues Haar erblickte (allerdings in der
Verzweiflung - weiblicher Eitelkeit!) mit allem brach und zu Ihnen in ein
Kloster reiste, wo man, wie
