 wie mit Furienfackeln die Feinde der Menschheit, die
Verbrecher gegen den Heiligen Geist rund um sich selbst, dass sie keinen Ausweg
mehr wissen vor ihrem eigenen Schatten und mitten in ihren Siegen, mitten in
ihren Triumphen eine Verzweiflung sie ergreift, die ihnen zuletzt nicht den
geistigen Tod als die höchste Lebenswonne vorspiegelt, sondern sogar den
physischen -
    Wir hatten unter unsern Lehrern einige ehemalige Benedictiner, in ihrer Art
höchst gelehrte und an sich vortreffliche Männer. Sie gehörten Klöstern an, die
man aufgehoben, Klöstern, in denen sie mit großer Bequemlichkeit gelebt hatten.
Einer davon verschmerzte die Versetzung in den Stand des Weltgeistlichen sehr
leicht. Es war ein Mann jovialer Natur, plauderhaft und nicht reinen Geistes.
Ihm hätte des alten Römers Wort: Vor Kindern habe Scheu! vorzugsweise gerufen
werden können. Seine behäbige und immer lächelnde Art war die der unerlaubten
Vertraulichkeit im Reden. Wie ein leckes Fass war er, das aus allen Ritzen
quillt. Seine Lust war die, Geschichten aus seinem Kloster zu erzählen, alles
durcheinander, Heiliges und Weltliches, Verbürgtes und Unverbürgtes - später
hab' ich oft solche unwürdige Greise gefunden, die ein Gefallen daran finden,
gerade vor der Jugend geistig entblößt zu gehen. Was hat uns nicht dieser alte
Professor, Pater Sylvester, von seinem und allen Klöstern und Pfarreien der Welt
erzählt! Nichts etwa, was gegen sie zeugen sollte, nein, das Frommste, das
Andächtigste, aber gemischt mit dem Unmöglichsten und sich eben deshalb dem
Spott von selbst Anheimgebenden! Die Geschichten von einer Pfarrersköchin, die
mit dem Teufel zu tun gehabt hatte, erzählte er ebenso für bestimmt, wie er die
Versicherung gab, dass im Fegefeuer die Männer und Frauen getrennt sind. Dies
bewies er aus der schlechtern Natur der Weiber, die durch Aussprüche der
Koncilien erhärtet wurde. Die Entziehung des Kelches schrieb er dem
Überhandnehmen der Bärte zu und der Gefahr des Weines vor dem Ungeziefer - Kein
Bienenschwarm, sagte er wie mit Schwuresbeteuerung, der in eine Kirche käme,
rühre die Hostie an - Zwei Leichen hätten in einem Grabe gelegen, als man sie
aber ausgrub, hätte man die eine über der andern gefunden und als man näher sich
erkundigt, war die untere ohne Beichte gestorben - Dem Pfarrer gebühre
eigentlich von allem der Zehnten, auch von der Ehe; diesen könnte er aber den
Neuvermählten schenken, da er jede Ehe schon vollständig allein genösse, nämlich
am Altare im Sakrament (man denke sich, wie uns reifende Knaben diese Worte
aufregten!) - Die Kirchenglocken wären die Zungen der Lüfte, folglich müssten sie
auch wie jede Zunge fasten; das geschähe am Grünen Donnerstage - Im Beichtstuhl
müsste man vorzugsweise nach den Träumen fragen; eben in diesen läge der wahre
Schlüssel zur beichtenden Seele,
