 Gier nach dem Reiz der Neuheit treiben Euch
auf den Kampfplatz! Was es auch sein möge, das Sie dem Vater eines
Unglücklichen, den Ihre Hand tödtete, so nahe verbinden konnte, ich glaube es
gern, dass Sie ermattet an der Pforte des Klosters Himmelpfort niedergesunken
sind. In dieser Stimmung verlangten Sie nach dem Trost der Religion und rühmten
die Einfalt derselben. In alles aber, was man Ihnen bot, legten Sie, als Sie es
empfingen, Ihren eigenen Sinn, nahmen es nicht in dem unsrigen. In diesem immer
nur Ihr Ich verherrlichenden Geiste vollzogen Sie die Liebesopfer, die Ihnen Ihr
Guardian und Provinzial übertrug. Sie duldeten, entbehrten und was Sie zu den
harten Proben des Bruder Hubertus ermutigte, war nur der geistige Hochmut auf
Menschenkraft. Weder Ihr Verstand noch Ihr Herz liebt das Christentum, nur Ihre
Phantasie liebt es! Die Dienste, die Ihr Poeten und Künstler dem römischen
Glauben geleistet habt, verkenn' ich nicht, doch waren und bleiben sie
gefahrvoll! Sie entbehren nachhaltiger Wirkung. Oder glauben Sie, dass alle die
Fortschritte, die wir in diesen Tagen in Frankreich, Deutschland, Spanien
gemacht haben, gemacht haben mitten unter den Stürmen der politischen
Bewegungen, nur die Folgen der wiedergeborenen schönen Künste sind? Diese
Fortschritte verdanken wir nur dem bei so vielem Flitter der Bildung gerade zum
wahrhaften Herzensbedürfniss gewordenen Bekenntnis der geistigen Armut! Armut,
Armut! Nüchternheit, Entbehrung, Gefangengabe unserer Überzeugungen an ein
Gegebenes, Wiedererweckung der Würde des Beichtstuhls, der geregelte Kirchgang,
die Wiederherstellung alles dessen, was über religiöse und politische Dinge in
dem gesundesten Teile des Volks, im Bauernstande, diesem plötzlich nun ja auch
von eurer Poesie verklärten, lebte, Ascese, Wallfahrten, wiederhergestellte
Bruder-und Schwesterschaften, das ist der Geist der Stetigkeit, der allein die
Kraft zum Glauben wecken und darin die Ausdauer bestärken kann ...
    Der Kirchenfürst schwieg eine Weile, dann fuhr er fort:
    Jetzt, Pater, ein ernstes Wort! Ich ließ Sie beobachten, Pater! Wissen Sie,
dass ich Sie monatelang in Ihr Strafkloster zu Altenbüren verweisen könnte? Sie
wurden gestern Mittag im Hause eines jüdischen Trödlers gesehen, wo Sie mit
Ihrem Ordensgewand eintraten und es auch Mittags im Ordensgewand verließen.
Abends jedoch um acht Uhr - Unglücklicher! - kehrten Sie wiederum unter dem
Dache des Juden ein -
    Bonaventura, ahnend, entsetzte sich, mehr noch erschütterte ihn der
unfehlbare Schrecken des Mönches ...
    Mitleidenswerter, bejammernswürdiger Mann! fuhr der Kirchenfürst fort. In
dem von jenem Juden geborgten Kleide, mit einem Hut, der Ihre Tonsur verbarg,
sah man Sie, Sie, den Pater Sebastus, den Michael mit der zweischneidigen Feder,
den Mönch, der ein Gefallen darin findet,
