 starke Natur, schmeichelnd zurückgelockt, blieb Siegerin.
Die unreinen Geister wichen, die Phantasie verlor ihre Bilder, sie wurden reiner
und blieben ganz aus. Hubertus übergab uns einen Geretteten. Aber noch galt es,
ihn sanft und linde einzuführen in die Erfüllung seiner Absicht, für immer der
Welt zu entsagen. Aufrichtig war diese Absicht. Er liebte die Religion. Er fand
seinen Trost und seine Erhebung in ausschliesslicher Kontemplation. Da ihm keine
Wissenschaft unbekannt geblieben, so wusste er bei Tisch stets etwas
vorzubringen, was uns fesselte. Doch verblendete uns ein zuweilen noch
aufschimmernder falscher Glanz seines Geistes keineswegs. Wir verharrten in
einem strengen und ernsten Erziehungsplan. Nichts wurde unterlassen, was seinen
Willen, die Gelübde abzulegen, brechen konnte. Die Gebete, die Wachen, die
untergeordneten Dienste, mühevolle Arbeiten aller Art, Betteln, das seinen Stolz
prüfte, scheinbare Willkürlichkeiten, die seine Ergebung auf die Probe stellten,
die Züchtigungen mit der Geissel und dem Cilicium, alles das waren nur geringere
Grade der Hilfsmittel, ihm die Rauheit und Härte unsers Gewandes fühlbar zu
machen. Die Ergebung, die er zeigte, war keine Stumpfsinnigkeit. Er ertrug, was
ihm aufgebürdet wurde, um seiner neuen Geburt willen, ja wir mussten seinen Eifer
zurückhalten, denn er begehrte zu zeigen, dass der Mensch den Schlaf ganz
entbehren, von Wasser allein leben könne und Ähnliches, was wider die Natur
geht, wenn es auch vom Bruder Hubertus fast zu ertragen gelehrt wird. Nach zwei
Jahren endlich legte Sebastus sein Bekenntnis ab und erhielt die Tonsur. Die
Priesterweihe ihm zu geben, wagte ich dem P. General nicht ans Herz zu legen.
Immer ist noch ein dunkler Grund in seinem Innern, ja es war mir, als gäb' es
Proben, in denen Pater Sebastus nicht bestehen könnte. Eure Eminenz mögen selbst
entscheiden. Ich habe nie ein Hehl daraus gemacht, dass ich von den Stätten des
Friedens, an denen wir leben, den Vorwurf der Untätigkeit entfernen möchte. Wie
der heilige Basilius die Nähe der Städte suchte, um sein Einsiedlerleben dem
Ausbreiten des Glaubens nützlich zu machen, wie die Söhne des heiligen Benedict
unser deutsches Vaterland von düstern Wäldern gelichtet haben und auf unsere
Hügel die Traube pflanzten, während auch das Feuer des geistigen Lebens aus
ihrer Pflege der Wissenschaft und der Schreibekunst flammte, so wird ein jeder
Bekenner des heiligen Franciscus auch noch jetzt darauf bedacht sein müssen, in
einer sittenverderbten Zeit Hand anzulegen im Kampfe gegen den Übergenuss des
Lebens. Dann dacht' ich: Wie kann die letzte Prüfung des Gewonnenen besser
stattfinden, als wenn er noch einmal ins Leben zurückkehrt? Wie heilt man ein
Heimweh gründlicher, als wenn man dem Verlangen der Seele nach der geliebten
Muttererde einmal noch folgt,
