 den Krieg mit Rom viel länger und lieber
geführt haben als den mit den Königen. Er brauchte Verbündete und so schloss er
mit heuchlerischer Freundschaft Frieden mit einer Religion, die er erst mit
Füßen getreten und dann in armselige, vom Theater erborgte Lumpen kleiden
wollte! Das aber, mein lieber Herr von Asselyn, das war nun das Beispiel, das
damals der Gewaltigste seiner Zeit den andern Gewaltigen gab! Diese Spässchen
ahmten diese Menschen ihm nach! Die Philosophie des achtzehnten Jahrhunderts
hatte ja die Kirchen entvölkert; der Beichtstuhl stand ja leer; die äußere
Veranstaltung, die noch vom kirchlichen Leben vorhanden war, war so auf den
Schein gerichtet, dass selbst die Priester mit dem Geiste der Verneinung buhlten,
selbst die sich schämten, den ewigen Gott und die große Veranstaltung des
Erlösungswerkes in schuldiger Ehrfurcht zu bekennen. Auf der Kanzel und in ihren
Schriften schmückten sie sich mit dem dem Protestantismus und der Philosophie
abgeborgten Schaugepränge. Und vorzugsweise war es unser Deutschland, wo die
Kirche am Abgrunde des Verderbens stand! Eine Literatur, die man zur classischen
gestempelt noch bei Lebzeiten jener maßlos vergötterten Herren von Goethe und
Schiller, drang bis tief in die untersten Volksschichten und erzeugte dies noch
immer andauernde Doppelleben unserer Nation, politisch und kirchlich sowohl wie
moralisch, letzteres in einer mühsam behaupteten positiven Welt und einem
sogenannten idealen Weltbürgertum: Überall sah man auf diese Art unsere
Entwürdigung! Und der Staat, mit Verzweiflung kaum sich selbst behauptend in dem
großen Revolutionssturm Bonaparte's, der rächte sich dann auch wieder
seinerseits bis zur Schamlosigkeit gegen die schwachen Untergebenen, zunächst
die Diener Gottes. Die kleinen Fürstentümer, die entweder selbst unter
geistlicher Obhut standen oder nur unsern Glauben bekannten, waren an sich schon
leider dem Fluche der Lächerlichkeit verfallen. Wilde, zerstörende, neuernde
Gedanken, die von Aufbau sprachen und den Riss ihrer Pläne nach Modellen der
Phantasie entwarfen, blieben damals ohne alle Rücksicht auf das Gegebene. Nichts
galt für geistvoll, nichts für schön, nichts für groß, was nicht dem Wesen des
Freimaurertums entsprach. Ich will von dem Elend nicht sprechen, das
bekenntnisstreue französische Bischöfe in der Verbannung auf englischem Boden zu
Bettlern machte; im eigenen Vaterland konnte man erleben, dass die Mittel
fehlten, dem äußern Gottesdienst den letzten Rest seiner erhabenen Würde zu
erhalten. Ja, aber wie ist das nun alles mit Gottes Beistand so wunderbar anders
geworden! So groß, so herrlich, mein lieber Herr von Asselyn, und kaum nach
einem einzigen Menschenalter! Lediglich durch die gewaltige Widerstandskraft und
firmamentfeste Vis inertiae des zuwartenden und seine rechte Zeit erkennenden
römischen Princips!
    Bonaventura wagte auf die herablassende Vertraulichkeit des Sprechers zu
erwidern ... Er wagte den in die Tiefe gehenden deutschen Geist selbst zu nennen
als den, der hier
