 Wege nicht möglich! Nur große Geschichtsepochen, die den ganzen
Menschen ergreifen, die allein reformiren! Geschichtsepochen, denen wir hoffen
auf irgendeine Art wieder entgegenzugehen und ganz nahe zu sein,
Geschichtsepochen, die wir 1815, als das deutsche Vaterland in seiner Einheit
wiederhergestellt wurde, leider so unbenutzt vorüberziehen ließ!«
    Bonaventura kannte vollkommen den Landmann und seine Bedürfnisse. Sein
unglücklicher Vater hatte allerdings dem höheren Beamtenstande, zuletzt als
Regierungsrat, angehört; aber seine beiden Oheime lebten auf dem Lande, der
Dechant wenigstens in einer kleinen Stadt; er selbst war in Borkenhagen geboren,
einem kleinen Gute, das der ganzen Familie gehörte und vor der Rückkehr des
Onkels Max aus dem spanischen Kriege verpachtet gewesen war, ohne dass seine
junge Mutter sich behindern ließ, dann und wann das kleine, der Familie
gebliebene Herrenhaus zu besuchen und auf dem Lande die Sommerfrische zu halten.
Bonaventura war keine zerflossene Natur oder von übermässiger Milde; er konnte
streng und in manchem vielleicht zu entschieden sein. Aber immer umgab ihn eine
gewisse Vornehmheit, eine edle, ja adelige Besonderheit. Der längliche Schnitt
seines Antlitzes, die braunen Augen in dunkelschattigen Höhlen, die Feinheit
derjenigen Organe, die die Kennzeichen einer höheren geistigen Natur tragen,
Mund, Nase, weiße längliche Hände, alles das hob seine Erscheinung. Dazu kam der
schlanke Wuchs, das schwarze Haar, dessen Tonsur nur wie die natürliche Folge
der Anstrengung des Denkers aussah und vollkommen mit dem lichtern Haarwuchse an
den Schläfen und Stirnecken zusammenzugehören schien. Beseelt war all dies
Aeusserliche von einer weichen, in der mittleren Tonlage sich haltenden und zur
Höhe und Tiefe gleich klangvoll sich erhebenden und senkenden Stimme.
    Bonaventura besaß den ganzen Eifer, den wir immer finden bei einem
selbstgewählten Berufe. Damals, als ihn der schauervolle Tod des Vaters und die
Verheiratung seiner Mutter in eine tiefe Betrübnis, die an Schwermut grenzte,
versetzte, ging ihm die Mahnung zum geistlichen Beruf wie eine Vision auf. Schon
studierte er auf der Universität, um nach einiger Zeit und mit dem gesetzlichen
Alter als Freiwilliger in die Armee zu treten und bei ihr auf Avancement zu
dienen. Der Fall trat ein; er verblieb in den Reihen des Militärs bis zur
Vollendung seines Offizierexamens. Dann trat er als Fähnrich aus. Es ergriff ihn
ein solcher Überdruss an weltlichen Dingen, dass er nicht fassen konnte, wie er
dem Waffendienste sich mit ganzer Hingebung hätte weihen können. Das Vaterland
lag im tiefsten Frieden, eine Lockung des Ehrgeizes oder des Pflichtgefühls, dem
Allgemeinen sich zu opfern, sprach nirgends aus der toten oder träumerisch
schlummernden Zeit; was hätte ihn hindern können, dem Zuge zu folgen, der ihn so
mächtig ergriff und der ihn aus einer Art geistiger Vernichtung wieder
emporzuheben versprach?
    Es gibt eine Schwarmzeit
