 »Kattendyk
und Söhne« waltet.
    Oeffnet man uns dann, so steckt ein Portier den Kopf aus einem Kellerfenster
des Torwegs ...
    Man kennt uns? Passirt! Wir finden uns zurecht ...
    Ein Glasverschlag trennt das Treppenhaus von der Region der unteren
Stockwerke; unten waltet nur das Geschäft ...
    Man lässt die mit Blech belegten Eichentüren und mit Eisenstangen
verschlossenen unteren Komptoire liegen und steigt erst drei kleine Stufen höher
...
    Hier wieder eine Klingel. Die Glastür öffnet sich. Jetzt erst schreitet man
auf Teppichen in den ersten Stock hinauf ...
    Gewiss ist es ein behagliches Gefühl, sich Abends gegen zehn Uhr in einem
Haufen todter Steine, während ringsum alles schon zu schlummern scheint, einen
kleinen stillen Winkel denken zu können, wo im Winter und selbst in den ersten
Herbsttagen schon die Flamme des Kamins noch nicht erloschen ist, ein gelblicher
Schein von der durch einen bunten Schirm gedämpften Glaskugel der Lampe die
Teppiche auf dem Fußboden und auf dem Tische erhellt, einen Winkel, wo noch ein
kleiner Kreis von Menschen sich um ein Piano versammelt hat oder um ein Buch,
das vorgelesen wird, oder um einen geistvollen Redner oder eine gemütvolle
Frau, die jeden heiter anzuregen versteht. Einem Einzigen, Unverbesserlichen
vielleicht ist gegen zehn Uhr von der Hausfrau noch gestattet worden, dicht am
Kaminrande mit Diskretion eine Zigarre zu rauchen; zwei junge Damen schneiden
eine Zeichnung aus; einige junge Herren sind über eine neue Oper in Streit
geraten; gelöst wird der Kampf von einem nicht fehlenden, den Abend
beschliessenden kleinen Stegreif-Souper. Geht man dann gegen elf Uhr von dannen,
so trägt jedes mit sich hinaus das Gefühl, das uns zuweilen wohl noch erstens in
eine geöffnete Restauration ziehen kann, um auf magenverderbende Majonaisen ein
gutes Beefsteak und ein Seidel Bier zu setzen, aber auch zweitens jenes Gefühl,
dass wir denn doch im Grunde ein Dasein leben, unabhängig von Holz und Stein und
Stundenschlag und Nachtwächterhorn, und dass wir mit schönen Seelen noch schön
empfinden können und unsere Leidenschaften zügeln oder anständig verbergen und
aufgehen können in einer schönen harmonischen Weltordnung, aus der wir uns nur
langsam zurückfinden in diese »schnöde Welt« - vielleicht erst durch die Mahnung
eines vergessenen Hausschlüssels.
    Bis elf Uhr mag diese behagliche Erinnerung im allgemeinen auch auf eine
Gesellschaft gepasst haben, an der wir diesmal im ersten Stock des Kattendykschen
Hauses vorübergehen. Um diese Zeit saßen bei Frau Kommerzienrätin Walpurgis
Kattendyk gewiss noch ihre Töchter, die verheirateten und die unverheirateten,
zusammen, ihre Schwiegersöhne, der berühmte Procurator Dominicus Nück, Benno's
Principal, der »Vordenker« und Agitator der Lande hüben und drüben, soweit zu
Gott in lateinischer Zunge gebetet wird, vielleicht auch noch ein anderer
Procurator,
