 hüteten! dabei durft er auch wandeln auf Erden wie ein Cherub
auf Urlaub, ein Cherub der Legende, zu Wagen, zu Ross, per Dampf auf der kühlen
Welle oder der hie und da schon sich streckenden Schiene! .. Herr Maria wohnte
in einem der altertümlichsten, massivsten Häuser, die man sich durch
hochwürdigste Protection nur erwerben kann. Er war in seiner Art ein Napoleon.
Wenigstens war die Biene sein Symbol. Er hätte eigentlich in einem Bienenmantel
bei jeder Procession voranschreiten müssen, wie er oft voranschritt, dann
freilich im schwärzesten der schwarzen unter seinen vielen Fräcken, mit
entblösstem Haupte und eine seiner eigenen Kerzen tragend ... Die Bienen hatten
ihn gelehrt, Honig früh von Wachs zu unterscheiden, aus jenem die lieblichsten
nürnberger Leb- und torner Pfefferkuchen und baseler Leckerlis zu gestalten,
aus diesem aber Kerzen, reine, weissgelbe edle Wachskerzen zur heiligsten Weihe.
Und diese Bienen hatten ihn auch die Emsigkeit gelehrt, den rastlosen Fleiß, das
Sammeln auf allen Fluren und Wegen und Stegen für seinen eigenen Schatz und den
des Reiches Gottes. So erlebte er freilich die Berufung zu den höchsten
Steuersätzen durch diesen kalten protestantischen, keine Exemtionen duldenden
»S-töt«, aber auch die Mittel, sie quartaliter pünktlichst zu berichtigen. Herr
Maria galt für wohlhabend, aber er war reich. Das wussten Domherren und
Kapitulare und Officiale und Curaten bis zu Psalteristen und Kalcanten hinunter.
Dominicus Nück, der mächtige Procurator, Benno's Principal, wusste es
gleichfalls. Der hatte ihn auf der Liste aller derer, die in großen
Erbschaftsfragen, wie z.B. jetzt in der der Dorste-Kamphausen, Mündel- und
Pupillengelder auf die rechten Plätze anzulegen wissen. Und was gab es nicht
allein schon auf dem geistlichen Gebiete zu rechnen und zu zählen! Was hatten
die Herren von Sancta-Kolumba und Den Aposteln und Den sieben Schmerzen und
allen Kirchen diesseit und jenseit des Stromes nicht für einen Neffen dort, für
eine Nichte da liebevollst zu sorgen, aufzunehmen und abzutragen! Was gab es
nicht Kapitalien unterzubringen! »Schicket euch in die Zeit, denn es ist böse
Zeit!« Herr Maria kannte das ganze Land, kannte alles, was neben Bienen auch
Korn und Gerste zieht und Hypotheken braucht. Freilich war er nicht in dieser
Gegend geboren, aber er war geboren in dem Lande der Höflichkeit, der feinsten
deutschen Aussprache, der gewähltesten Umgangsformen. Er wurde überall gut
aufgenommen und nie übermütig. Er hatte von den Bienen die schöne Harmonie
gelernt, die Unterordnung unter einen gekrönten Weisel, unter die
selbstbeschauliche Trägheit vornehmer Drohnen; selbst jener poetische Schwung
fehlte Herrn Maria nicht, den die Alten mit den Bienen bezeichnen wollten, wenn
sie im Munde eines göttlichen Redners die
