!
    Der Verfasser widmet es seinem Volke und seiner Zeit.
    Er stellt diese Widmung mit ruhiger Ergebung in die Aufnahme, die von einer
Seite aus nur die feindseligste werden kann. Häufe sie Schimpf und Schmach - ein
Teil der angestrebten Wirkung wird dann erreicht sein.
    Wohlwollenden aber, Übereinstimmenden, Gerechten den innigsten Gruß zuvor!
Der Verfasser kennt aus schöner Erfahrung das Glück, für Gemüter zu schreiben,
die den Autor gleichsam nur bevollmächtigten das zu sagen, was schon lange ihnen
selbst auf dem Herzen brennt. Eine der seligsten Wonnen - Übereinstimmung! Ein
nur leise angeschlagener Ton und die Hingebung und Liebe führen ihn weiter!
Wissen: hier lächelt der Leser wie du: hier feuchtet sich sein Auge wie dir:
hier errät er dein Rätsel, noch ehe du zu Ende warst es zu stellen: hier
könnte er deiner einfachen Andeutung eine Fülle eigener Erfahrung an die Hand
geben: welche Kraft entströmt diesem sichern Bewusstsein! Findet ihr zu viel
grelles Licht, ihr seid gewiss, der Schatten wird nachkommen; dunkelt es zu
lange, ihr vertraut, dass es bald am Licht nicht fehlen wird! Was ist hier Gutes,
was Böses? rufen wohl schon im Beginn die, die gewohnt sind nur sich selbst zu
hören. Ihr ermüdet nicht, die Anklage oder Verteidigung der Charaktere
allmählich erst sich aufsummen zu sehen. Nur schwarze oder weiße Menschen haben
wir Engverbundene in unserm Erfahrungsbuche nie finden können und ... stelle
doch, du gefallenes Titanengeschlecht, Menschheit genannt, dem Weltenrichter
einst große Aufgaben! Sprüche urtiefer Weisheit fallen am Jüngsten Tage, nicht
Schulcensuren ...
    Das erste der neun Bücher ist nur ein Vorspiel, der erste, schwere
Jugendtraum eines in solcher Art »gemischten« Charakters. Der Roman selbst,
sowohl in Form wie Bedeutung nach den Anforderungen an einen Roman des
neunzehnten Jahrhunderts, wie ihn der Verfasser in seinen »Rittern vom Geist« zu
definiren wagte, beginnt erst mit dem zweiten Buche. Die kleinen Funken, die
dort erst zu zünden bestimmt sind und die in den Vorgängen des ersten Bandes,
dem jungen Dämmerleben einer weiblichen Seele, nur spielend auf- und
niederhüpfen konnten, wird des Kenners Auge leicht herausfinden. Sei ihre
Irrlichtsnatur auch dafür Bürge, dass jetzt wie früher der Verfasser nichts um
der nächsten Deutung willen schrieb oder mit grober Absichtlichkeit dem freien
Schwebegang der Muse Zwang antun wollte! Wie sonst wird auch hier das Gesetz
des Lebens walten und jede freie Lust am Dasein, jede Regung der natürlichen
Empfindung den Keim ihrer höheren Deutung in sich selbst oft völlig unbewusst
tragen. Denn in solchem Humor leben wir. All unser Denken und Handeln ahnt die
Schatten nicht, die es im Licht der Wahrheit wirft.
                             Dresden, im Juli 1858.
 
                                  Erstes Buch
                                        1
