 so musste der ägyptische falsche
Kirchenfürst sich gefallen lassen, hier im lebenslänglichen Kerker Erzbischof
eines Pyramidengrabes zu sein ... Die Aegypter lieben und verehren die Tiere
... Der Gefängnisswärter, ein Laienbruder der Dominicaner, besaß einen Vogel ...
Diesem hatte der falsche Erzbischof die schönsten Weisen gelehrt, ihn täglich
gefüttert - einige Jahre lang ... Da brach der Volkshaufe ein, befreite ihn -
der Aegypter kehrte in die Welt zurück, wusste aber nicht, was er in ihr beginnen
sollte ... Er hatte Sehnsucht nach seinem Vogel und bat, ihn lebenslänglich in
seinen Kerker zurückzulassen1) ...
    Die alten Verliesse, in denen es einst nicht so idyllisch herging, sind noch
da; sogar die Reste des Neronischen Circus, auf welchen diese ganze Umgebung des
Vatican gebaut wurde ... Folterkammern, und nicht aus heidnischer, sondern
christlicher Zeit, eiserne Ringe an den Mauern, Inschriften an den Wänden, die
von den Gefangenen herrühren, wie: »Selig sind, die um Gerechtigkeit willen
leiden, denn das Himmelreich ist ihrer« - Alles das findet sich ... Auch die
Stätten sind da, wo die Bekenner des geläuterten Glaubens verbrannt wurden, wie
jener Luigi Pascal aus dem Silaswalde ... Hier liegen noch zu Tausenden die
Exemplare jener oft kaum noch aufzutreibenden Bücher, die Rom verbrennen ließ
... Die Processacten aller Inquisitionsopfer liegen hier beisammen zu Kapiteln in
der Geschichte des menschlichen Geistes, die noch geschrieben werden sollen ...
Und noch jetzt stehen über der Schwelle jedes Kerkers Bibelsprüche, die gewiss
oft mit grausamem Hohn die Seele des Gefangenen verwunden mussten, wenn er sie
beschritt und las: »Du wirst verflucht sein, wenn du eingehst, und verflucht,
wenn du ausgehst!« -2) ...
    Die Verurteilung der Bibelleser und der Verbreiter des Protestantismus
durch die Inquisition fehlt allerdings auch noch jetzt keineswegs ... Die
Dominicaner von Florenz, die einst ihren eigenen Prior Savonarola verbrannten,
taten auch noch gegen das Madiai'sche Ehepaar3) ihre Pflicht ... Aber die
Folterwerkzeuge und Hinrichtungen sind jetzt in Italien an die politischen
Gefängnisse übergegangen ... Vorführungen und Verurteilungen im
schwarzverhangenen Saale des Tribunals mit dem Wappen Pius' V. und dem Porträt
des heiligen Dominicus kommen nur noch selten vor ... Die Qualificatoren und
Familiaren der Inquisition sitzen dann wie beim Gericht der Vehme ... Die
Fenster sind verhangen - Altar und Kruzifix stehen unter einem Baldachin von
schwarzem Samt - sechs Wachskerzen sind angezündet ... Zur Seite erhebt sich
eine schwarze Estrade, auf welche der Pater Ankläger tritt, um die
Beschuldigungen vorzulesen ... Beginnt ein Gericht, so öffnet ein Official der
Inquisitoren die Tür und ruft
