 die Messe um Erlangung des Heiligen Geistes für die
Neuwahl hören, die Decke der demütig gesenkten Häupter gelüftet würde! ... Nun
ziehen sie feierlich in den Quirinal und finden da die wunderlichsten
Holzverschläge für sich hergerichtet ... Schon haben tagelang die Maurer alle
Tore des Palastes außer einem einzigen vermauert, schon sind mindestens
zweihundert Fenster in ihren Fugen mit Kalk und Mörtel verstrichen ... Die
vierzig oder funfzig anwesenden Wähler leben ohne frische Luft, wie ebenso viel
Mönche, und so lange abgesperrt von der Welt, bis der Geist der Erleuchtung zum
Siege, zur richtigen Stimmenzahl geholfen hat ... Sie leben in
schnellgezimmerten, auf die langen Korridore verpflanzten Zellen, die aussehen,
wie Messbuden ... Jede hat ein kleines Fenster auf den Korridor ... Die unbequeme
Lage ist peinlich und unterstützt die Neigung, einig zu werden ... Hass und
Abneigung schwinden mit dem Druck der Entbehrungen ... ... Fefelotti's Pracht-
und Bequemlichkeitsliebe, eingesperrt in einen solchen weihnachtlichen
Hirtenstall! Fefelotti ohne die Hilfsmittel - nur allein seiner Toilette! ...
Der einzige Kardinal Vincente Ambrosi und einige Ordensgenerale mochten wenig
den Unterschied von ihrer gewohnten Lebensweise spüren ...
    An dem Haupttor, gegenüber den Rossen des Monte-Kavallo, sind vier
Oeffnungen mit Drehrädern angebracht, durch welche die Speisen eingeschoben
werden ... Die Massen des Tag und Nacht ringslagernden Volkes sehen es wohl -
Fefelotti entbehrt kein einziges seiner Leibgerichte; die verdeckte Tragbahre
verbreitet den köstlichsten Duft ... Aber der seither Allmächtige muss sich
gefallen lassen, dass ein mit der polizeilichen Kontrole des Konclaves seit
Jahrhunderten betrauter Fürst Chigi jede Pastete mit eigener Hand aufschneidet
und sich überzeugt, ob sie im Füllsel nichts Geschriebenes enthält, keinen Brief
vom Staatskanzler des Kaisers von Österreich, keine Mahnung aus Frankreich oder
Spanien, kein Billet einer Verehrerin, die auf dem Korso Francesco
angstklopfenden Herzens wohnt und Mittel und Wege sucht, mit den heiligen
Holzverschlägen in Verbindung zu bleiben und die Stimmen zu addiren, ja von
außen her den Kardinalbischof von Ostia mit dem Kardinalgeneral der Kapuziner,
den Kardinaldiakon der Santa-Maria in Via Lata mit dem Kardinalpriester von
Santa-Maria della Pace zu versöhnen ... Hilfe, Hilfe - durch die fremden, noch
nicht angekommenen Kardinäle! schrieb Fefelotti in einer mit der Gräfin Sarzana
verabredeten Chiffreschrift, die aus Kompotkirschkernen, Geflügelknöchelchen und
andern Resten seiner Mahlzeit bestand ... Die Antworten erteilte ihm die Gräfin
und manche andere seiner Angehörigen unter der Etikette jener Weine, die ihm
nicht vorenthalten werden durften ... Fürst Chigi betrachtete jede Flasche am
Lichte, ob sich nicht im Burgunder vielleicht unterm Kork ein verdächtiges
Telegramm befand - die Etiketten abzureissen unterließ sein Mitleid mit einem
Manne
