 »Bise« nicht mehr zerriss ...
Terschka wohnte nun schon oft wochenlang auf dem mit allen Reizen der Natur sich
schmückenden Schloss Bex ... Zu andern Zeiten wieder überredete er den Obersten,
mit ihm nach dem fremdenüberfüllten Genf zu gehen ... Wer das Gefühl hat, mit
gegebenen Zuständen in Bruch zu leben, ergreift gern die Gelegenheit, aus seiner
Isolirung herauszutreten und da sich anzuschließen, wo von den unbefangener
Urteilenden die langentbehrte Zustimmung nicht ausbleibt ... Diese reichen
Patricierfamilien Genfs mit ihren strengen calvinistischen, aber in andern
Dingen wieder republikanisch unbefangenen Formen wurden eine Welt, in der sich
Monika sorglos bewegen durfte ... Sie sprach gut französisch, konnte mit den
Professoren der Universität Streitigkeiten führen, die für jeden Zuhörer
genussreich waren, der Rat des Obersten wurde in mancher technologischen und
Ingenieurfrage begehrt, Terschka war die Seele der auch in Genf vorhandenen
aristokratischen Gesellschaft ... Von den Flüchtlingen, den Polen, Italienern,
Deutschen, hielten sich alle in Entfernung ...
    Aber gerade von dieser Seite aus gab es scharfe Augen und der geschmeidige,
lebensschlaue Böhme, der überall nach Macht, Einfluss, Stellung trachtete, musste
erleben, dass ihm schon manches fehl schlug ... Bald hieß es sogar auch hier: Er
spielt eine falsche Rolle! Er hat sie schon in London gespielt! Sein Gewerbe
kann nur das eines Spions sein! Er correspondirt mit Wien und Rom! ... War dem
nun so oder nicht, Terschka blieb jener Jesuitenzögling, der zwar mit scheuer
Vorsicht seinen Weg Schritt für Schritt macht, nie aus sich selbst heraus,
sondern immer nur aus den andern die Situationen seines Lebens entwickelt,
niemals kann er recht ein Herr werden, immer nur Diener ... Durch sein Dienen
verpflichtet man sich die Menschen und zuweilen sind die Menschen edel und heben
dafür den andern, der uns dient, wie einst mit ihm Graf Hugo getan; jetzt aber
hatte er zuletzt doch nur noch den Obersten und Monika für sich, hundert
Zerwürfnisse und Streitigkeiten schon gegen sich ... Bereits hieß es beim
Obersten und Monika: Man müsste doch aus dieser Gegend fort! Man müsste doch Bex
verkaufen, so schön es auch wäre! Schon wegen - Hedemann's sollte man in eine
mildere Gegend ziehen! ...
    Die Herrin von Schloss Bex hatte auch hier, trotz ihrer Schroffheit, Verehrer
und Bewerber ... Angesehene Namen aus Genfs Patricierfamilien, umwohnende
Grundbesitzer, Reisende, wiederum auch mancher Engländer, huldigten Armgart mit
oft masslosem Eifer ... Die Mutter wünschte die endliche Verheiratung; auch der
Vater; schon deshalb, um den Schein aufzuheben, als bestimmten sie die Tochter
ihres Vermögens halber unvermählt zu bleiben ...
