 dass ich Wissenschaft und Kunst zurückwiese und wie
Omar alle Bücher verbrennen wollte, wenn nur die Bibel bleibt; aber ein ganzes
volles Leben und ein Leben der Gemeinsamkeit zwischen vornehm und gering,
zwischen gelehrt und arm an Geist ist nur durch die Schrift möglich ... Und
dieses gemeinsame Feld ist nicht etwa eng und das Ergehen auf ihm bald ermüdend;
im Gegenteil, ich entdeckte einen Schatz nach dem andern, als ich die Bücher
noch einmal zu lesen begann, die ich früher als eine Quelle der Verdunkelung des
Verstandes geflohen war ... Ich finde die höchste Weisheit in dem, was uns
belohnt für das Gebot des Apostels: Forschet in der Schrift! ... Das menschliche
Herz will nun einmal Liebe und Liebe muss fühlen und Gebet ist Erhöhung des
Gefühls, Sammlung zum Aufblick. Worauf? Auf das Bessere und die Besseren ... Die
große Zahl von Besseren, die die Katholiken als Heilige verehren, sind die zu
üppige Erweiterung eines Gefühls, das an sich ganz richtig ist ... Die Liebe
gestaltet alles persönlich und das ist denn der persönliche Gott, der lebendige,
der unmittelbar auf uns wirkende, der Gott der Offenbarung ... Mein Glaube sieht
im persönlichen Gott keine irdische Gestalt, sie zieht das Unaussprechliche und
Unbegreifliche nicht in die Sprache der Dichter und Propheten herab; für mich
und für die, die fühlen wie ich, ist der persönliche Gott die Wirkung seines
Vorhandenseins in uns; seine größte Offenbarung war die in jenem, der den Mut
hatte, sich deshalb auch geradezu Gottes Sohn zu nennen ... Nehmen Sie nur
einmal wieder die Evangelien in die Hand, mein teurer Freund, und nicht Ihren
Horaz und Virgil! Wischen Sie weg, was auf diese ehernen Tafeln der Witz, der
menschliche Spott und selbst die gelehrte Kritik geschrieben haben, und sehen
Sie dann, was übrig bleibt ... Von dem Tage an, wo ich priesterlich fühlte - und
jeder Religionsstifter muss priesterlich fühlen, keine Religion macht sich am
Teetisch - von dem Tage an ist mir die Erscheinung unseres Herrn und Heilandes
Jesu Christi aufgegangen wie die meines besten Freundes ... Ich wandle mit ihm
am See Tiberias, ich spreche mit ihm bei seinem Freunde Lazarus vor, ich sehe
die Fusstapfen, die er hinterlassen hat und die überall gesegnete sind ... Sein
Leiden ist ganz persönlich das meine; seinen Todeskampf ring' ich mit; er lehrt
mich am Kreuz lieben und vergeben ... Auf Liebe, Glaube, Hoffnung, begründet
durch Christus und einen persönlichen Gott, müssen wir unsere Kirche erbauen -«
... Darunter hatte denn der Onkel mit seiner alten zitternden Hand und in seinem
friedlichen Sinn geschrieben: »Im Grunde
