
jetzt in einem einzigen Augenblick mit magischer Helle ...
    Geboren durch ein Verbrechen, geboren ohne einen Vater, auf den er sich mit
Ehren berufen konnte, geboren ohne eine Mutter, die er sorglos sein nennen
durfte, gehegt, gehütet von Frauen, von Priestern, hatte er eine Einwurzelung im
deutschen Leben um so weniger finden können, als auch daheim die Knechtschaft
waltete ... Alles, was damals in Deutschland rang und zum Lichte strebte, war in
diesem Augenblick sein Bundsgenosse ... Deutschland wollte frei sein von
demselben Geist, dessen Konsequenzen Italien gefesselt hielten ... Von Italiens
Tyrannen gingen die Bannflüche über Freiheit und Aufklärung in die Welt aus ...
Drei Gestalten traten ihm schon immer aus der Geschichte vors Auge - sie lebten
und wirkten gleichzeitig: Friedrich Barbarossa, der Kaiser - Hadrian IV., der
Papst - Arnold von Brescia, der Tribun von Rom ... Wer sollte nicht die Größe
des Hohenstaufenkaisers bewundern - und doch schloss Barbarossa Frieden mit
Hadrian, seinem wahren Feinde, und überlieferte ihm zur Besiegelung eines Actes
der Falschheit, den der nächste Augenblick zerriss, einen der edelsten Menschen,
Schüler Plato's, Petrarca's, einen Weisen, der nach langen Irrfahrten in
Frankreich und der Schweiz elf Jahre lang Rom ohne die Päpste regierte, der die
Kirche verbesserte, der Vorläufer der Waldenser und der Reformatoren wurde ...
Barbarossa sah mit seinen bluttriefenden Söldnerscharen den Scheiterhaufen
auflodern, mit dem sich unter dem schützenden Banner des deutschen Adlers
Hadrian an seinem geistigen Todfeind rächte ... Unsere Zeit kann nicht mehr mit
Friedrich Barbarossa, sie muss mit Arnold von Brescia gehen ... Auch Benno's
Vater war kein Ghibelline - Doch war er ein Welf im schlechten Sinne ... Wie der
Kronsyndikus wollte sich Benno nicht zu Ross schwingen und die eigene Fahne und
die Freiheit seiner Hufe wahren im Geist Heinrich's des Löwen, vor dem
Barbarossa einst kniete und vergebens um Hilfe die Hände rang ... Auch der
welfische Geist Klingsohr's war nicht der seine ... Er wollte die Vernichtung
des Ichs zum Besten des Allgemeinen ... Die Form der Freiheitstat, das lehrten
die Bandiera, ist in unsern Tagen die Verachtung der materiellen Welt ... Diese,
die nur anerkennt, was in Glanz und Würde steht, diese, die den Widerschein der
regierenden und mit momentaner Macht ausgestatteten Tatsachen in hohler
Gesinnung liebedienerisch auch auf sich zu lenken sucht, diese, die für
äusserstes Unglück hält, gehässig gekennzeichnet zu werden durch den Widerspruch
mit dem Gegebenen, hatte Benno schon längst verachten gelernt ... In diesem
einen magischen Augenblick hörte er eine himmlische Musik der Ermutigung ...
Voten des Friedens
