 frei ... Manche geheime Hoffnung sah eine Erfüllung voraus und
verriet vorschnell ihre Freude ... Jene große Mehrzahl von Menschen, die als
Ballast nur den ruhigeren Gang der Fahrt entscheidet, gleichviel unter welcher
Flagge ihre Fahrzeuge segeln, warf sich unruhig hin und her ... Vorahnend machte
sie gleichsam nur ihr Gepäck leichter, um bequemer von einem Lager ins andere
überlaufen zu können ... Wie richtig hatten diese Bandiera die Italiener
beurteilt! sagte sich Benno. Der Erfolg ist hier alles! Der Mut einer Tat
entscheidet ihre Bedeutung ...
    Nur in der Priestersphäre waltete unerschütterliche Zuversicht ... Dort
stand es fest, dass ein Kampf mit dem Interesse »Gottes« Jeden zerschmettern
müsse - »Selbst die Pforten der Hölle werden dich nicht überwinden!« lautete der
tägliche, seit dreihundert Jahren im Mund der Katholiken übliche Refrain, der
auch hier über das Antlitz der jungen und alten Prälatur einen lächelnden
Sonnenschein verbreitete ... Den »bösen Mächten« gehört ja die Welt, dem Zufall,
der Intrigue, der Selbstverstrickung alles Guten - Wie kann - gesetzt die
Revolution wäre das Gute - »in dieser Welt das Gute siegen!« hatte Lucinde ganz
im Geist der Jesuiten gesagt ...
    Unter den Freigesinnten gab es zwei Richtungen, die sich mit Schärfe
bekämpften. Für die ausführlichere Begründung ihrer Ansichten fanden sich in
England, in Frankreich, in der Schweiz und auf den Inseln um Italien
Gelegenheiten zum Druckenlassen ... Die eine Partei wollte ein einiges Italien,
an dessen Spitze der Heilige Vater als wahrer Friedensfürst und Verbreiter aller
Segnungen stehen sollte, die durch die Christuslehre dem Menschen verbürgt und
nur noch nicht genug anerkannt sind ... Die andere sah im apostolischen Stuhl
die gefährlichste Anlehnung der Despotie, verwies den Papst aus den Reihen der
Souveräne, ließ ihm nur allein noch die Bedeutung, Pfarrer einer
Metropolitankirche der Christenheit, der Peterskirche, zu heißen und nahm seinen
irdischen Besitz in die allgemeine Verwaltung eines republikanisch regierten
Italiens ... Freiheit von Österreich wollten beide Parteien. Die Souveräne und
Würdenträger der Hierarchie waren auf die Hilfe dieses Staates angewiesen; die
Väter der Gesellschaft Jesu machten die Vermittler zwischen Wien und allen
denen, deren Besitz in Italien bedroht war ... Da die Jesuiten dem Staatskanzler
zu wesentliche Dinge überwachten, da sie zu viel Dämonen der Weltverwirrung ihm
mit gebundenen Händen überlieferten, so hatte er sich wohl gewöhnen müssen, sie
zu schonen und ihnen über seine eigene Macht hinaus den Pass zu gewähren, den sie
gewinnen wollten für die ganze Welt ... Das übrige Deutschland, selbst im
Norden, gehörte schon den Jesuiten ... Der Kirchenfürst war freigegeben ... Der
Protestantismus schien alles Ernstes zur Unterwerfung wieder unter Rom
