 ...
    Tiebold wollte zu Benno kommen ...
    Den Aschenbecher vergaß ich in Robillante! rief Benno Tiebold nach, als
dieser schon an die Pforte seiner Wohnung geklopft hatte, die derjenigen Benno's
gegenüber lag ... Bringen Sie ihn doch morgen früh mit ...
    Das einzige Wort, mit dem Benno die zum Tod betrübte Stimmung seines Innern
verriet.
 
                                    Fußnoten
1 Geboren 1780 in Venedig.
2 Wir geben nur Tatsachen.
3 Die bekannte »Schwefelfrage«.
4 Tatsache.
 
                                       7.
Die Wirkung einer Karte, auf der zu lesen stand: »Monsieur Tiebold de Jonge,
recommandé par le Baron Benno d'Asselyn« war außerordentlich ...
    Sie fiel in die Siestenstunde, wo auf Villa Torresani die junge Fürstin
Rucca bei herabgelassenen Jalousieen auf schwellenden Polstern ausgestreckt lag
und vielleicht in Liebesschauern vom schönen Kardinal Ambrosi träumte ...
    Sie fuhr empor ...
    Halbentkleidet lag sie auf einem Ruhebett ausgestreckt ... Dicht war sie
gegen die bösen »Zanzari« in Musselinvorhängen eingehüllt ... Mit
halbschlafendem Brüten hatte sie ein Deckenbild des Bettes, eine Amorettenscene
von Albani angestarrt ...
    Diese Villa war der Mittelpunkt einer durch Kunst und Natur zum reizendsten
Aufenthalt bestimmten Schöpfung ...
    Die Villa Torresani lag auf Bergabhängen hingehaucht wie im tändelnden
Musenspiel ... Alles an ihr war leicht, zierlich und gleichsam ohne Mühe
geschaffen ... Die Treppenaufgänge waren in ihren Geländern mit zierlichster
Symmetrie durchbrochen, auf ihren Wangen mit Statuen, Aloë- und Kactustöpfen
geschmückt ... Wo sich bei jeder neuen Etage die Treppe zwiefach teilte,
plätscherten Springbrunnen oder muschelblasende Tritonen ... Oben auf der
gekieselten Plateforme erhob sich ein Bau voll Pracht und Schönheit, in zwei
Stockwerken, verschwenderisch geziert von Säulen, Nischen, Statuen,
abgeschlossen hoch oben von einer Attika, deren vier Ecken freischwebende
Marmorbilder begrenzten ... Eine silberweisse Herrlichkeit war es, weithin
leuchtend aus einem dunkeln Boschetto von Lorberhecken und urmächtigen Eichen
... Hier rauschten die Wasser, dort sangen die Vögel, summten die Käfer ... Weit
hinaus zur Ebene verfolgte das Auge die gelblichen Fernsichten herbstlicher
Stoppelfelder; sie milderten sich durch die quer hindurchlaufenden Weingehänge
und die breitastigen, nicht ängstlich beschnittenen Pappeln ... In der Ferne
erhob sich Rom, die Peterskuppel, sie, der immer hocherhobene Finger, der die
Welt aus dem Erdendunst gen Himmel weisen soll ... Wer aber schweift hinaus bei
so beglückender Nähe! ... Hier waltete die Kunst und die in ihren Weihemomenten
überraschte Natur ... Durch die zur Erde gehenden Fenster des Palastes sah man
die an den Kapitälen bronzirten schwarzen Marmorsäulen eines großen Speisesaals
mit dem weissschwarzen Marmorgetäfel des Fussbodens ... Nach hinten empfingen die
