 eine »altbackene Brezel« genannt und
damit die empfindlichste Seite der Ruccas, ihren - von einem Bäcker
herstammenden Ursprung berührt ...
    Aber die geöffneten Räume der altmodischen marmornen Kommode, das große Oval
des Saales mit den kleinen Seitenpavillons und den nach hinten hinausgehenden
Terrassen, die fast noch eine Ausdehnung des Saales schienen, boten doch darum
einen glänzenden Anblick ...
    Ein solches Fest, wo das Auge unter Lichtern, Blumen, Statuen nicht mehr
herausfindet, ob der Fuß innerhalb oder außerhalb eines Saales, in geschlossenen
Räumen oder auf Veranden und Altanen verweilt, kann man nur im Süden feiern ...
Die Gunst des Himmels muss eine sichere sein; kein Wölkchen darf das Vertrauen
auf die Mitwirkung der Natur zur Lust der Menschen stören ...
    In dem Saal, in den Nebenzimmern, auf den mit blendend weißen, silber- und
krystallstarrenden Tafeln geschmückten Terrassen wogten einige Hundert der
vornehmsten Gäste mit glänzender Dienerschaft ... Männer und Frauen in den
reichsten Toiletten ... Die Römerinnen der hohen Aristokratie hie und da
imposant; aber bei weitem die Mehrzahl doch nur zierliche, kleine, ja nicht
selten verkommenere Gestalten, als die majestätischen, die unsre Phantasie in
Römerinnen erwartet ... Auch die Männer sind nicht das, was wir von den
Nachkommen der Scipionen erwarten ... Der junge Principe Rucca, in seiner
roten, goldgestickten päpstlichen Kämmerlingsuniform, der glückliche Bräutigam,
der wirklich, wie ein Pasquill sie nannte, die »Katze Olympia« leidenschaftlich
liebte, braucht dabei nicht mitzuzählen; noch weniger sein Vater, der immer wie
ein alter schäbiger, heute einmal ordentlich gewaschener und lächerlich bunt
ausgeputzter Bewohner des Ghetto aussieht ... Aber selbst Principe Massimo, der
Nachkomme des Quintus Fabius Maximus Cunctator, der auf Napoleon's ironische
Frage: Stammen Sie wirklich von diesem glücklichen Gegner des Hannibal her?
stolz erwiderte: Das weiß ich nicht, Sire, aber man glaubt es von unserm
Geschlecht bereits seit eintausendzweihundert Jahren! (eine Antwort, die nach
Klingsohr's Auffassung der »Heiligen Treppe«, vor der alles Volk im Vorübergehen
knixte, Rom und der römische Glaube auf alle Zweifel an seine Reliquien geben
darf - »Sind diese Knochen nicht echt«, schrieb Klingsohr schon zur Zeit des
Kirchenstreites, »so ist doch durch sein hohes Alter der Glaube an ihre Echteit
ehrwürdig«) - - Principe Massimo ist ein kleiner, feiner diplomatischer Herr,
der mehr der Sphäre der Abbés, als der Imperatoren anzugehören scheint ... Da
wandeln die Borghese, die Aldobrandini ... Gegen frühere Geltung sind es
herabgekommene Namen, wenn auch immer noch so stolze, dass sie hier vielleicht
nicht anwesend wären, schwebte nicht der Alter Ego des Stellvertreters Christi,
