 früh eine praktische Richtung an, streifen den Idealismus ab, reden mit
dem gemeinen Mann in seiner Sprache und nehmen die materielle Welt ganz wie sie
ist; die Wissenschaft wird ihnen eine melkende Kuh; sie verschmähen selbst die
Intrigue nicht, und werden in der oft bis zum Lieblosen gehenden Entfaltung des
schroffsten und einseitigsten juristischen Verstandes unterstützt von denen, die
ihre Spitzfindigkeit in Anspruch nehmen, bewundern, rühmen, reichlich belohnen.
Die andern sind, wie die menschlichen Entwickelungen einmal durch ihre
angeborenen Anlagen bestimmt werden, von einer idealen Haltung. Sie scheinen das
Alltägliche zu verachten, vertreten die Gedankenwelt, hüllen sich in einen
heiligen Nebel mystischen Eingeweihtseins, sind entweder Freimaurer oder
Pietisten oder Poeten oder alles zu gleicher Zeit und in verschiedenen Lagen,
nur benehmen sie sich überall wie ein Besonderes, Vornehmes und ewig
Akademisches, und man darf hinzufügen, dass auch diesen Männern der Erfolg nicht
fehlt. Jetzt, wo die materielle Richtung überwiegt, mag das Häuflein dieser
vorzugsweise mit dem Rufe des Geistreichen ausgezeichneten Adepten der
Wissenschaft geschmolzen sein. Noch in den dreissiger Jahren aber war der
Zusammenhang Hamburgs mit den edelsten Richtungen des Vaterlandes ein sehr
inniger, und die schöne, masshaltende, sich selbst beschränkende Weise manches
dort gefeiert gewesenen Namens wird noch jetzt bei den Nachlebenden nicht
verklungen sein.
    So scheiden sich beide Richtungen im Alter. In der Jugend aber gehen sie
noch mehr zusammen. Der Scharfsinn des einen findet seinen Widerpart am Wissen
des andern, der Rabulist der späteren juristischen Praxis streitet sich noch mit
Hartnäckigkeit für Schelling oder Hegel, denen er die Schärfe seiner
Unterscheidungen zugute kommen lässt. Allen aber gemeinsam ist auf lange Zeit,
oft bis in die ersten Jahre der Verheiratung hinein, das lebendige Festalten
des akademischen Lebens. Die von Göttingen oder Heidelberg mitgebrachten
Anschauungen werden nicht nur in den Kaffeehäusern festgehalten, sondern oft
auch noch in dem Wäldchen hinter Wandsbeck, in den Hohlwegen hinter Eppendorf.
Man setzt die Feindschaften, die man von der Hirschgasse in Heidelberg, von
Ulrici in Göttingen mitbrachte, in der Vaterstadt fort und wechselt auch oft
noch im nahen holsteinischen Sachsenwalde Kugeln um dieselben Bagatellen, um
welche man am Neckar und an der Leine »auf krumme Säbel losgegangen« war.
    In diesen Kreis seiner Freunde kehrte Heinrich Klingsohr, mit Enthusiasmus
empfangen, zurück. Die grüngelbweisse Farbe hatte mit der rotweissen immer
harmonirt; gehörten doch beide dem großen Bunde des Plattdeutschen an.
    Klingsohr traf junge Advokaten und Ärzte, Assistenten am Krankenhause,
gelehrte Speculanten, die sich durch irgendein Organ, das Ohr, das Auge, oder
als Juristen durch Wechsel- oder Staatspapiergeschäft eine Specialität zu
schaffen suchten, andere, Juristen, die auf eine Anstellung in der Verwaltung
rechneten und sich mit Statistik der Ein- und Ausfuhr beschäftigten,
Schulmänner,
