
    Auf seine Äußerung, dass denn doch wohl Rom ein treuer Verbündeter des
Kaiserstaats wäre, erwiderte der Chorherr:
    Man glaubte eine Zeit lang, dass Kardinal Ceccone seine Macht verlieren würde
... Seine Gegner im Vatican, besonders Fefelotti, schienen zu triumphiren ...
Aber es scheint, er hat mit den Jesuiten ein Kompromiss getroffen und hält nun
wieder alle Bannstrahlen in seiner Hand ... Sein Auftreten bei uns ist
bedeutungsvoll ... Alles, was man für die innere Reform unserer Kirche gehofft
hatte, scheint verloren ... Die unglückselige Manie der Fürsten und
Staatsmänner, nur Eine Gefahr, die der Revolution, zu sehen, macht sie wider
Willen zu Beförderern des Aberglaubens und der Hierarchie ... Der Staatskanzler
hasst die Jesuiten ... Aber sie nehmen seine Devise an und sagen: Nous sommes
conservateurs comme vous! ... Was will er machen! ... Dafür, dass wir den
Jesuiten Deutschland geben, erbieten sich wieder die Jesuiten, an Österreich
Italien zu lassen ... Doch in diesen italienischen Köpfen ist es selbst unter
dem Purpurhut nicht geheuer ...
    Benno, Ceccone's Stellung und die Zähmungsmittel der Jesuiten vollkommen aus
seinem eigenen Dasein kennend, fragte schüchtern nach dem Kardinal und ob sein
Gönner ihn gesehen hätte ... Er wagte nicht, tiefer zu dringen ...
    Hier noch nicht! erwiderte der Chorherr ... Aber vor Jahren sah ich ihn in
Rom ... Ich machte eine Reise dorthin zu einer Zeit, wo unser Deutschland noch
erst wenig von der römischen Curie beachtet wurde ... Wie unschuldig nimmt sich
auch unser deutsches Kirchlein Maria dell' Anima in Rom aus! ... Franzosen und
Spanier haben sich da seit Jahrhunderten wahrhaft königlich zu vertreten gewusst
... Unser Kirchlein aber, das hat so etwas nur vom tyroler Geschmack und dennoch
macht es den Eindruck des ehrlichsten und aufrichtigsten aller Gotteshäuser in
Rom ... Auf die Phantasie wirkt's nit, das ist wahr; nur ein reines Herz und
rechten Drang zum Beten muss Eins mitbringen, um darin Gefallen zu finden ...
Aber - ja - vom Ceccone sprach ich ... Den sah ich öfters ... Ihn und die
meisten Kardinäle ... Man muss sagen, diese Monsignori sind Menschen, für die
Gott ein eigenes Paradies und eine eigene Hölle muss erschaffen haben ... Sie
scheinen alle noch wie aus dem Stamm des Cäsar Augustus zu sein ... Quos ego!
und das so mit einem smorzando - ganz nur so hingelächelt ... Neptun's Dreizack
geschwungen mit weißen Ballhandschuhen - wie Sie auch immer Se. Heiligkeit sehen
werden ... Sie wollen ja
