 nicht auszuhalten ...
    Er verbeugte sich und blinzelte auf alle Umstehenden von der Seite, während
er aufs neue die Urkunde ergriff ...
    Wie oft hatte man sich aus Wien bereit erklärt, sich ihr unterwerfen zu
wollen, falls sie gefunden werden könnte und überhaupt je ausgestellt wäre ...
Es handelte sich um eine veränderte Stellung aller der Fragen, die bisher Rück
vertreten hatte. Es handelte sich um die weitere Erbfolge, die eine völlig
verschiedene wurde, wenn sie von Paula als Herrin ausging, als wenn von der
jüngeren Linie. Blieb Paula die Besitzerin, so hatte auch die weibliche Linie der
Dorstes Erbrechte und da ergab sich auf diese Art nicht nur der berechtigtste
Anteil drüben in der Person des Präsidenten auf Neuhof, durch diesen in
Bonaventura selbst, sondern auch für viele entfernter wohnende Angehörende ...
Gerade von dieser Seite aus war schon lange und besonders durch den Kronsyndikus
wie eine felsenfeste Notwendigkeit die Konvenienzregel hingestellt worden, dass,
wenn Graf Hugo nicht mit dem Erwerb dieser großen Güter, weil er nicht
katholisch wäre, durchdränge, doch Gräfin Paula dann seine Hand annehmen müsste,
um ihn und die jüngere Linie von ihrem tiefen Verfall emporzubringen ... Ein
solcher Recess, wie er nun jetzt eintrat, gestattete Paula nicht die freie
Disposition über ihr Eigentum; Vettern und Muhmen und Kirche und Landschaft
nahmen an den Pacten einer Ehe teil und legten die mannichfachsten
Beschränkungen der vollen Besitzergreifung auch für Paula auf ... Paula, die
darum aber doch die reiche Erbin blieb und höchstens aus freiem Willen, aus
Hinopferung ihrer Hand etwas für die jüngere Linie tun konnte - für den Grafen
Hugo, den Luteraner, den Freund Angiolina's - den Freund des Freifräuleins von
Wittekind, der Schwester Benno's! - Paula erhielt an die Freiheit ihres Willens
Berufungen, denen wenigstens jetzt ihre Kraft nicht gewachsen war ... Alles das
übersah Bonaventura voll Schrecken und Wehmut ...
    Terschka erklärte mit scheinbarer Ruhe und mit einer den Onkel und die Tante
wohltuend berührenden Mäßigung nur seine Überraschung zu diesem
Schicksalsschlage ... Seinen unbedingten Glauben an die Urkunde verweigerte er
nicht ...
    Er erwähnte die Anstalten, die er getroffen hätte, sofort durch einen
Kourier nach Wien die neue Wendung wissen zu lassen, die man jedenfalls - er
verbeugte sich gegen Paula - hoch in Ehren zu halten hätte ...
    In seinem Innern kämpften die Entschließungen, die er fassen sollte ...
Seine irrenden Augen suchten Armgart, die die ihrigen verbarg ...
    Die Beichtworte, die Bonaventura von Hammaker und Bickert gehört hatte,
lauteten auf »Feuersbrunst« und »falsche Urkunde« ... Ein Wie? ein Wo? und Wann?
hatte er von keinem von
