 allgemeines
Interesse zu erregen ...
    Terschka hatte sie sogleich erkannt und wollte Armgart auf sie aufmerksam
machen ... Diese aber redete, um ihr Seelenleid, den ganzen Jammer ihres
wahnbetörten Herzens zu verbergen, mit Püttmeier, der ihr gegenüber saß, und
entschuldigte ihre Nichtanwesenheit bei seinem Vortrag, der, sie sprach das im
vollen Glauben, ja »so entzückend schön« gewesen sein sollte ...
    Püttmeier hörte indessen nur halb ... er wollte den ihm dargebrachten Toast
erwidern und es ist ein eigener Zustand im Menschen, wenn er, so zu sagen, einen
Toast im Leibe hat. Oder wie anders soll man die Lage nennen, die nicht
unähnlich sein muss der Sehnsucht nach einer glücklichen Niederkunft? Sage man
was man will, Steckenbleiben ist bitter und Geistesgegenwart ist nicht
Jedermanns Sache, am wenigsten derer, die Geist haben. Da sitzt so ein
toastschwangerer Mensch und die Speisen werden ihm servirt und er nimmt mit dem
Löffel, was er mit der Gabel greifen soll, tief abwesend ist er und lebt nur in
der Repetition der schönen Dinge, die er sagen möchte. Nun begegnet ihm noch das
Unglück, dass ihm links ein Nebenmann fortwährend die Flammen der Begeisterung
schüren will, mit dem Messer an ein Glas zu schlagen droht, zum Zeichen, dass
hier Jemand sprechen wolle. Um Gottes willen noch nicht! ruft der verzweifelnde
Demostenes dazwischen, während er, statt sich in Musse sammeln zu können, wieder
zur Rechten von einer unglückseligen Plaudertasche ins Gebet genommen wird, die
ihn nichts ahnend über alles ausfrägt, über den Kirchenstreit, den
Kirchenfürsten, über Roms Allocutionen, Koncordate, Exercitien, Barmherzige
Schwestern, Hoffnungen auf neue Klöster und Jesuiten ... Eine Erklärung: Beste
gnädigste Frau Gräfin, schonen Sie mich, ich habe einen Toast im Leibe! kann ein
Mensch von Geist unmöglich abgeben, da ein Toast nur immer die Schöpfung eines
fast bewusstlosen, genial improvisirenden Mitteilungsdranges sein soll. Ein
verzweiflungsvoller Zustand das! Um so mehr, wenn der rechte Moment vorübergehen
kann, der, wo die Toaste, die nach vielen andern kommen, ihre Zündkraft
verlieren ...
    Püttmeier hatte die Gräfin Münnich zur Linken, das Fräulein von »Anflicker«
zur Rechten, Armgart sich gegenüber. Klopfte auch Jene nicht, einen »Zustand« an
ihm bemerkend, vorschnell mit dem Messer an ihr Glas, so glaubte doch die Dame
zur Rechten alles aufbieten müssen, den hochberühmten Denker so zu unterhalten,
wie es einer Dame auch ihres vielseitigen Rufs geziemte; denn Fräulein von
Merwig-Anflicker, eine Jungfrau in den Vierzigen, war von einem
Unternehmungsgeist, der in allen Gebieten Kourage zeigte, in der Musik, in der
Plastik, in der Poesie, in der
