 mehr erlahmende Kunstempfindung
gewähren. Aber alle Mittel, auch in ihrer größten Vollkommenheit angewendet,
würden den endlichen Untergang eines Kunstwerkes nicht aufhalten können; dies
liegt in der immerwährenden Tätigkeit und in dem Umwandlungstriebe der Menschen
und in der Vergänglichkeit des Stoffes. Alles, was ist, wie groß und gut es sei,
besteht eine Zeit, erfüllt einen Zweck, und geht vorüber. Und so wird auch
einmal über alle Kunstwerke, die jetzt noch sind, ein ewiger Schleier der
Vergessenheit liegen, wie er jetzt über denen liegt, die vor ihnen waren.«
    »Ihr arbeitet an der Herstellung eines zweiten Altares,« sagte ich, »da Ihr
einen schon vollendet habt: würdet Ihr auch noch andere herstellen, da Ihr sagt,
dass es mehrere in dem Lande gibt?«
    »Wenn ich die Mittel dazu hätte, würde ich es tun,« erwiderte er, »ich würde
sogar, wenn ich reich genug wäre, angefangene mittelalterliche Bauwerke
vollenden lassen. Da steht in Grünau, hart an der Grenze unseres Landes, an der
Stadtpfarrkirche ein Turm, welcher der schönste unseres Landes ist und der
höchste wäre, wenn er vollendet wäre; aber er ist nur ungefähr bis zu zwei
Dritteilen seiner Höhe fertig geworden. Dieser altdeutsche Turm wäre das erste,
welches ich vollenden ließe. Wenn Ihr wieder kommt, so führe ich Euch in eine
Kirche, in welcher auf Landeskosten ein geschnitzter Flügelaltar wieder
hergestellt worden ist, der zu den bedeutendsten Kunstwerken gehört, welche in
dieser Art vorhanden sind.«
    Wir traten bei diesen Worten den Rückweg aus dem Trockenhause in die
Arbeitstube an. Mein Begleiter sagte auf diesem Wege: »Da Eustach jetzt
vorzugsweise damit beschäftigt ist, die im Laufe befindlichen Werke
auszufertigen, so hat er seinen Bruder, der herangewachsen ist, unterrichtet,
und dieser versieht jetzt hauptsächlich das Geschäft des Zeichnens. Er ist eben
daran, die Verzierungen, die in unserem Lande an Bauwerken, Holzarbeiten oder
sonstwo vorkommen, und die wir in unseren Blättern von größeren Werken noch
nicht haben, zu zeichnen. Wir erwarten ihn in kurzer Zeit auf einige Tage zu
rück. An diesen Dingen könnte auch die Gegenwart lernen, falls sie lernen will.
Nicht bloß aus dem Großen, wenn wir das Große betrachteten, was unsere Voreltern
gemacht haben, und was die kunstsinnigsten vorchristlichen Völker gemacht haben,
könnten wir lernen, wieder in edlen Gebäuden wohnen oder von edlen Geräten
umringt sein, wenigstens wie die Griechen in schönen Tempeln beten; sondern wir
könnten uns auch im Kleinen vervollkommnen, die Überzüge unserer Zimmer könnten
schöner sein, die gewöhnlichen Geräte, Krüge, Schalen, Lampen, Leuchter, Äxte
würden schöner werden, selbst die Zeichnungen auf den Stoffen zu Kleidern und
endlich auch der Schmuck
