
fragte ich weiter.
    »Ja,« antwortete er, »wir haben es eigens zu diesem Zwecke erbaut. Es ist
aber viel später entstanden als das Wohnhaus. Da wir einmal so weit waren, die
Sachen zu Hause machen zu lassen, so war der Schritt ein ganz leichter, uns eine
eigene Werkstätte hiefür einzurichten. Der Bau dieses Hauses war aber bei weitem
nicht das Schwerste, viel schwerer war es, die Menschen zu finden. Ich hatte
mehrere Schreiner, und musste sie entlassen. Ich lernte nach und nach selber, und
da trat mir der Starrsinn, der Eigenwille und das Herkommen entgegen. Ich nahm
endlich solche Leute, die nicht Schreiner waren und sich erst hier unterrichten
sollten. Aber auch diese hatten wie die frühern eine Sünde, welche in
arbeitenden Ständen und auch wohl in andern sehr häufig ist, die Sünde der
Erfolggenügsamkeit oder der Fahrlässigkeit, die stets sagt: Es ist so auch
recht, und die jede weitere Vorsicht für unnötig erachtet. Es ist diese Sünde in
den unbedeutendsten und wichtigsten Dingen des Lebens vorhanden, und sie ist mir
in meinen früheren Jahren oft vorgekommen. Ich glaube, dass sie die größten Übel
gestiftet hat. Manche Leben sind durch sie verloren gegangen, sehr viele andere,
wenn sie auch nicht verloren waren, sind durch sie unglücklich oder unfruchtbar
geworden, Werke, die sonst entstanden wären, hat sie vereitelt, und die Kunst,
und was mit derselben zusammenhängt, wäre mit ihr gar nicht möglich. Nur ganz
gute Menschen in einem Fache haben sie gar nicht, und aus denen werden die
Künstler, Dichter, Gelehrten, Staatsmänner und die großen Feldherren. Aber ich
komme von meiner Sache ab. In unserer Schreinerei machte sie bloß, dass wir zu
nichts Wesentlichem gelangten. Endlich fand ich einen Mann, der nicht gleich aus
der Arbeit ging, wenn ich ihn bekämpfte; aber innerlich mochte er recht oft
erzürnt gewesen sein und über Eigensinn geklagt haben. Nach Bemühungen von
beiden Seiten gelang es. Die Werke gewannen Einfluss, in denen das Genaue und
Zweckmässige angestrebt war, und sie wurden zur Richtschnur genommen. Die
Einsicht in die Schönheit der Gestalten wuchs, und das Leichte und Feine wurde
dem Schweren und Groben vorgezogen. Er las Gehilfen aus und erzog sie in seinem
Sinne. Die Begabten fügten sich bald. Es wurde die Chemie und andere
Naturwissenschaften hergenommen, und im Lesen schöner Bücher wurde das Innere
des Gemütes zu bilden versucht.«
    Er ging nach diesen Worten gegen den Mann, der mit dem Aussuchen der Hölzer
nach dem vor ihm liegenden Plane der Tischplatte beschäftigt war, und sagte:
»Wollt Ihr nicht die Güte haben, uns einige Zeichnungen zu zeigen, Eustach?«
    Der junge Mann, an den
