 Vormittages war abgetan.
    Am Mittagtische fanden sich wieder dieselben Personen ein, welche bei dem
Frühmahle versammelt gewesen waren. Nach dem Genuße eines einfachen, aber für
Gedeihen und Gesundheit sehr wohl zubereiteten Mahles, wie es immer in dem
Rosenhause sein musste, nach manchem freundlichen und erheiternden Gespräche
stand man auf, um wieder zu seinen Geschäften zu gehen, die jedem ernst und
wichtig genug waren, mochten sie nun im Erwerben von Kenntnissen bestehen, wie
fast ausschließlich bei Gustav, oder mochten sie im Vorwärtsdringen in der Kunst
oder auf wissenschaftlichem Felde oder in einer richtigeren Gestaltung der
eigenen Lebenslage enthalten sein.
    Für den heutigen Nachmittag war ein besonderes Geschäft Vorbehalten worden,
zu welchem auch Roland kommen und deshalb seine heutige Arbeit an seinem Bilde
abbrechen musste. Es war eine Sammlung von Kupferstichen eingelangt, welche zum
Kaufe angeboten waren, und deren Besichtigung man auf den heutigen Nachmittag
anberaumt hatte. Mein Gastfreund lud mich zu der Sache ein. Die Kupferstiche
lagen in zwei Mappen in dem Zimmer meines Gastfreundes. Wir gingen über die
Treppe, die für die Dienerschaft bestimmt war, in sein Zimmer empor, und rückten
den Tisch, auf welchem die Mappen lagen, näher an ein Fenster, damit wir die
Blätter besser betrachten konnten. Die Mappen wurden geöffnet, und bald sah man,
dass der Sammler der in denselben entaltenen Stücke kein Mann gewesen sei, der
von der Tiefe der Kunst, von ihrem Ernste und von ihrer Bedeutung für das
menschliche Leben eine Vorstellung gehabt habe. Er war eben ein Sammler
gewöhnlicher Art gewesen, der die Menge und die Mannigfaltigkeit der Stocke vor
Augen gehabt hatte. Jetzt lag er im Grabe, und seine Erben mussten weder für die
Verhältnisse der Kunst zum menschlichen Leben, noch für Sammeln von was immer
für einer Art einen Sinn gehabt haben, daher sie alle Hefte meinem Gastfreunde,
von dem sie gehört hatten, dass er solche Merkwürdigkeiten suche, zum Verkaufe
anboten. Neben ganz wertlosen Erzeugnissen des Grabstichels nach heutiger
unbedeutender Weise, wie sie in Büchern und Bilderwerken zum Behufe des
Gelderwerbes vorkommen, neben Steinzeichnungen mit der Feder und der Kreide
befanden sich auch bessere Werke von jetzt und besonders einige Stücke aus
älterer Zeit von großem Werte. Mein Gastfreund und seine zwei Gehilfen sprachen
bei dieser Gelegenheit manches über Kupferstiche, was mir neu war, und woran ich
die Bedeutung dieses Kunstzweiges mehr kennen lernte, als ich sie früher kannte.
Da er die Übersetzung der Werke der großen Meister aller Zeiten vermitteln kann,
da er ein Bild, das nur einmal da ist, das für viele Menschen an fernen und
ihnen nie erreichbaren Orten sich befindet, oder das als Eigentum eines
einzelnen Mannes nicht einmal allen denen, die denselben Ort mit ihm bewohnen,
zugänglich ist, vervielfältiget und zur Anschauung
