sondern die Gestalten der Heiligen auf dem Altare
und in den Nischen sind schöner, als man sie sonst meistens aus dem Zeitalter,
aus welchem die Kirche stammt, zu sehen gewohnt ist. Wenn ich sagte, dass die
griechischen Bilder- gestalten eine größere sinnliche Schönheit haben als die
aus dem Mittelalter, so ist dieses nicht ausnahmslos so. Es gibt auch höchst
liebliche Gestalten aus dem Mittelalter, und wo keine Verzeichnung ist, und wo
sich Sinnlichkeit zeigt, sind sie meistens wärmer als die griechischen. In der
kleinen Kirche ist Ähnliches vorhanden deshalb habe ich so gerne ihre
Wiederherstellung übernommen, deshalb bedaure ich, dass meine Mittel nicht so
groß sind, die gänzliche Vollendung herbeiführen zu können, und deshalb habe ich
so sehr nach den Gestalten, die in den Nischen fehlen, suchen lassen, um so viel
als möglich die Kirche zu bevölkern, wenn auch der Gedanke Raum hatte, dass
vielleicht nicht einmal alle Gestalten fertig geworden und alle Plätze besetzt
gewesen seien. Vielleicht steht einmal eine höhere und allgemeinere Kraft auf,
die diese und noch wichtigere Kirchen wieder in ihrer Reinheit darstellt.«
    Wir kamen am zweiten Tage in dem Asperhofe an, und ich sagte, dass ich nun
nicht mehr lange da verweilen könne. Mein Gastfreund erwiderte, dass er in
einigen Tagen in den Sternenhof fahren werde, und dass er mich einlade, ihn zu
begleiten, und dass ich bis dahin noch bei ihm bleiben möge.
    Ich erklärte, dass bei mir wohl einige Tage keinen wesentlichen Unterschied
machten, dass ich aber doch wünsche, bald zu meinen Eltern zurückkehren zu
können.
    So war der Abend vor der Abreise in den Sternenhof gekommen, und mein
Gastfreund sagte an demselben in einem gelegenen Augenblicke zu mir: »Ihr tretet
nun zu jemandem, der mir nahe ist, in ein inniges Verhältnis; es ist billig, dass
Ihr alles wisst, wie es in dem Sternenhofe ist, und in welchen Beziehungen ich
zu demselben stehe. Ich werde Euch alles darlegen. Damit Ihr aber in noch viel
größerer Ruhe seid und mit Klarheit das Mitgeteilte aufnehmen könnt, so werde
ich es Euch erzählen, wenn Ihr wieder in den Asperhof kommt. Ihr werdet jetzt zu
Euren Eltern gehen, wie Ihr sagt, um ihnen zu berichten, wie Ihr aufgenommen
worden seid, und wie die Angelegenheit steht. Wenn Ihr dann nach Eurem
beliebigen Willen wieder zu mir kommt, sei es zu was immer für einer Zeit, so
werdet Ihr willkommen sein und bereitwilligen Empfang finden.«
    Am anderen Morgen saß ich nebst Gustav mit ihm in dem Wagen, und wir fuhren
dem Sternenhofe zu.
    Wir wurden dort so freundlich und heiter aufgenommen wie immer, ja noch
freundlicher und heiterer als sonst. Die Zimmer, welche wir
