 Hervorbringung des Stoffes und auf die Verwendung des Stoffes,
was nicht einmal ein an sich gültiges Streben ist, sondern nur beziehungsweise,
in so fern ihm ein höherer Gedanke zu Grunde gelegt werden kann. Das Streben
unserer älteren Vorgänger war auch insbesondere darum ein höheres, weil ihm
immer Erfolge zur Seite standen, die Hervorbringung eines wahrhaft Schönen. Jene
Tempel waren die Bewunderung ihrer Zeit, Jahrhunderte bauten daran, sie liebten
sie also, und jene Tempel sind auch jetzt in ihrer Unvollendung oder in ihren
Trümmern die Bewunderung einer wieder erwachenden Zeit, die ihre Verdüsterung
abgeschüttelt hat, aber zum allseitigen Handeln noch nicht durchgedrungen ist.
Sogar das Streben unserer unmittelbaren Vorgänger, welche sehr viele Kirchen
nach ihrer Schönheitsvorstellung gebaut, noch mehr Kirchen aber durch zahllose
Zubauten, durch Aufstellung von Altären, durch Umänderungen entstellt und uns
eine sehr große Zahl solcher Denkmale hinterlassen haben, ist in so ferne noch
höher als das unsere, indem es auch auf Erbauung von Gotteshäusern ausging, auf
Darstellung eines Schönen und Kirchlichen, wenn es sich auch in dem Wesen des
Schönen von den Vorbildern der früheren Jahrhunderte entfernt hat. Wenn unsere
Zeit von dem Stofflichen wieder in das Höhere übergeht, wie es den Anschein hat,
werden wir in Baugegenständen nicht auch gleich das Schöne verwirklichen können.
Wir werden anfangs in der bloßen Nachahmung des als schön Erkannten aus älteren
Zeiten befangen sein, dann wird durch den Eigenwillen der unmittelbar Betrauten
manches Ungereimte entstehen, bis nach und nach die Zahl der heller Blickenden
größer wird, bis man nach einer allgemeineren und begründeteren Einsicht
vorgeht, und aus den alten Bauarten neue, der Zeit eigentümlich zugehörige
entspriessen.«
    »In der Kirche, welche wir eben gesehen haben,« sagte ich, »liegt nach
meiner Meinung eine eigentümliche Schönheit, dass es nicht begreiflich ist, wie
eine Zeit gekommen ist, in welcher man es verkennen und so manches hinzufügen
konnte, was vielleicht schon an sich unschön ist, gewiss aber nicht passt.«
    »Es waren raue Zeiten über unser Vaterland gekommen,« erwiderte er, »welche
nur in Streit und Verwüstung die Kräfte übten und die tieferen Richtungen der
menschlichen Seele ausrotteten. Als diese Zeiten vorüber waren, hatte man die
Vorstellung des Schönen verloren, an seine Stelle trat die bloße Zeitrichtung,
die nichts als schön erkannte als sich selber, und daher auch sich selber
überall hinstellte, es mochte passen oder nicht. So kam es, dass römische und
korintische Simse zwischen altdeutsche Säulen gefügt wurden.«
    »Aber auch unter den altdeutschen Kirchen ist diese, welche wir verlassen
haben, wenn ich nach den Kirchen, die ich gesehen habe, urteilen darf, eine der
schönsten und edelsten«, sagte ich.
    »Sie ist klein,« erwiderte mein Gastfreund
