 sagte.
    Von einem Streben, das gewissermaßen sein eigener Zweck sei, vom Vertiefen
der Menschen in einen Gegenstand, dem scheinbar kein äußerer Erfolg entspricht,
und dem der damit Behaftete doch alles andere opfert, kamen wir überhaupt auf
verschiedenes, an das der Mensch sein Herz hängt, das ihn erfüllt, und das sein
Dasein oder Teile seines Daseins umschreibt. Nachdem wir wirklich eine größere
Zahl von Dingen durchsprochen hatten, die zu dem Menschen in das von uns
angeführte Verhältnis treten können, als ich je vermutet hätte, machte mein
Gastfreund folgenden Ausspruch: »Wenn wir hier alle die Dinge ausschließen, die
nur den Körper oder das Tierische des Menschen betreffen und befriedigen, und
deren andauerndes Begehren mit Hinwegsetzung alles andern wir mit dem Namen
Leidenschaft bezeichnen, weshalb es denn nichts Falscheres geben kann, als wenn
man von edlen Leidenschaften spricht, und wenn wir als Gegenstände höchsten
Strebens nur das Edelste des Menschen nennen: so dürfte alles Drängen nach
solchen Gegenständen vielleicht nicht mit Unrecht nur mit einem Namen zu
benennen sein, mit Liebe. Lieben als unbedingte Wertaltung mit unbedingter
Hinneigung kann man nur das Göttliche oder eigentlich nur Gott; aber da uns Gott
für irdisches Fühlen zu unerreichbar ist, kann Liebe zu ihm nur Anbetung sein,
und er gab uns für die Liebe auf Erden Teile des Göttlichen in verschiedenen
Gestalten, denen wir uns zuneigen können: so ist die Liebe der Eltern zu den
Kindern, die Liebe des Vaters zur Mutter, der Mutter zum Vater, die Liebe der
Geschwister, die Liebe des Bräutigams zur Braut, der Braut zum Bräutigam, die
Liebe des Freundes zum Freunde, die Liebe zum Vaterlande, zur Kunst, zur
Wissenschaft, zur Natur, und endlich gleichsam kleine Rinnsale, die sich von dem
großen Strome abzweigen, Beschäftigungen mit einzelnen, gleichsam kleinlichen
Gegenständen, denen sich oft der Mensch am Abende seines Lebens wie kindlichen
Notbehelfen hingibt, Blumenpflege, Zucht einer einzigen Gewächsart, einer
Tierart und so weiter, was wir mit dem Namen Liebhaberei belegen. Wen die
größeren Gegenstände der Liebe verlassen haben, oder wer sie nie gehabt hat, und
wer endlich auch gar keine Liebhaberei besitzt, der lebt kaum und betet auch
kaum Gott an, er ist nur da. So fasst es sich, glaube ich, zusammen, was wir mit
der Richtung großer Kräfte nach großen Zielen bezeichnen, und so findet es seine
Berechtigung.«
    »Jene Zeit,« sagte er nach einer Weile, »in welcher die Kirchen gebaut
worden sind, wie wir eben eine besucht haben, war in dieser Hinsicht weit größer
als die unsrige, ihr Streben war ein höheres, es war die Verherrlichung Gottes
in seinen Tempeln, während wir jetzt hauptsächlich auf den stofflichen Verkehr
sehen, auf die
