 fühlt, dass sie eingegangen ist.«
    »Oft habe ich schon gedacht,« sagte ich, »da die Kunst so sehr auf die
Menschen wirkt, wie ich an mir selber, wenn auch nur erst kurze Zeit, zu
beobachten Gelegenheit hatte, ob denn der Künstler bei der Anlage seines Werkes
seine Mitmenschen vor Augen habe und dahin rechne, wie er es einrichten müsse,
dass auf sie die Wirkung gemacht werde, die er beabsichtiget.«
    »Ich hege keinen Zweifel, dass es nicht so ist,« erwiderte mein Gastfreund,
»wenn der Mensch überhaupt seine ihm angeborene Anlage nicht kennt, selbst wenn
sie eine sehr bedeutende sein sollte, und wenn er mannigfaltige Handlungen
vornehmen muss, ehe seine Umgebung ihn oder er sich selber inne wird, ja wenn er
zuletzt sich seiner Freiheit gemäß seiner Anlage hingeben oder sich von ihr
abwenden kann: so wird er wohl im Wirken dieser Anlage nicht so zu rechnen im
Stande sein, dass sie an einem gewissen Punkte anlanden müsse; sondern je größer
die Kraft ist, um so mehr, glaube ich, wirkt sie nach den ihr eigentümlichen
Gesetzen, und das dem Menschen inwohnende Große strebt unbewusst der
Äußerlichkeiten seinem Ziele zu, und erreicht desto Wirkungsvolleres, je tiefer
und unbeirrter es strebt. Das Göttliche scheint immer nur von dem Himmel zu
fallen. Es hat wohl Menschen gegeben, welche berechnet haben, wie ein Erzeugnis
auf die Mitmenschen wirken soll, die Wirkung ist auch gekommen, sie ist oft eine
große gewesen, aber keine künstlerische und keine tiefe; sie haben etwas anderes
erreicht, das ein Zufälliges und Äußeres war, das die, welche nach ihnen kamen,
nicht teilten, und von dem sie nicht begriffen, wie es auf die Vorgänger hatte
wirken können. Diese Menschen bauten vergängliche Werke und waren nicht
Künstler, während das durch die wirkliche Macht der Kunst Geschaffene, weil es
die reine Blüte der Menschheit ist, nach allen Zeiten wirkt und entzückt, so
lange die Menschen nicht ihr Köstlichstes, die Menschheit, weggeworfen haben.«
    »Es ist einmal in der Stadt die Frage gestellt worden,« sagte ich, »ob ein
Künstler, wenn er wüsste, dass sein Werk, das er beabsichtigt, zwar ein
unübertroffenes Meisterwerk sein wird, dass es aber die Mitwelt nicht versteht,
und dass es auch keine Nachwelt verstehen wird, es doch schaffen müsse oder
nicht. Einige meinten, es sei groß, wenn er es täte, er tue es für sich, er sei
seine Mit- und Nachwelt. Andere sagten, wenn er etwas schaffe, von dem er wisse,
dass es die Mitwelt nicht verstehe, so sei er schon töricht, und vollends, wenn
er es schaffe und weiß,
