 messen, um auf der Grundlage der Erträgnisse unserer Felder
und der Erträgnisfähigkeit der Felder der Nachbarn, die ich untersuchte, eine
Wahrscheinlichkeitsrechnung zu machen, welche Getreidemenge im Durchschnitte
jedes Jahr auf diesem Hügel wächst. Ihr würdet die Zahlen nicht glauben, und
auch ich habe sie mir vorher nicht so groß vorgestellt. Wenn es Euch genehm ist,
werde ich Euch die Arbeit in unserem Hause zeigen. Ich dachte mir damals, das
Getreide gehöre auch zu jenen unscheinbaren, nachhaltigen Dingen dieses Lebens
wie die Luft. Wir reden von dem Getreide und von der Luft nicht weiter, weil von
beiden so viel vorhanden ist und uns beide überall umgeben. Die ruhige
Verbrauchung und Erzeugung zieht eine unermessliche Kette durch die Menschheit in
den Jahrhunderten und Jahrtausenden. Überall, wo Völker mit bestimmten
geschichtlichen Zeichnungen auftreten und vernünftige Staatseinrichtungen haben,
finden wir sie schon zugleich mit dem Getreide, und wo der Hirte in lockreren
Gesellschaftsbanden, aber vereint mit seiner Herde lebt, da sind es zwar nicht
die Getreide, die ihn nähren, aber doch ihre geringeren Verwandten, die Gräser,
die sein ebenfalls geringeres Dasein erhalten. - Aber verzeiht, dass ich da so
von Gräsern und Getreiden rede, es ist natürlich, da ich da mitten unter ihnen
wohne, und auf ihren Segen erst in meinem Alter mehr achten lernte.«
    »Ich habe nichts zu verzeihen«, erwiderte ich; »denn ich teile Eure Ansicht
über das Getreide vollkommen, wenn ich auch ein Kind der großen Stadt bin. Ich
habe diese Gewächse viel beachtet, habe darüber gelesen, freilich mehr von dem
Standpunkte der Pflanzenkunde, und habe, seit ich einen großen Teil des Jahres
in der freien Natur zubringe, ihre Wichtigkeit immer mehr und mehr einsehen
gelernt.«
    »Ihr würdet es erst recht,« sagte er, »wenn Ihr Besitztümer hättet, oder auf
Euren Besjetztümern Euch mit der Pflege dieser Pflanzen besonders abgäbet.«
    »Meine Eltern sind in der Stadt,« antwortete ich, »mein Vater treibt die
Kaufmannschaft, und außer einem Garten besitzt weder er noch ich einen liegenden
Grund.«
    »Das ist von großer Bedeutung,« erwiderte er, »den Wert dieser Pflanzen kann
keiner vollständig ermessen, als der sie pflegt.«
    Wir schwiegen nun eine Weile.
    Ich sah an seinen Wirtschaftsgebäuden Leute beschäftigt. Einige gingen an
den Toren ab und zu, in häuslichen Arbeiten begriffen, andere mähten in einer
nahen Wiese Gras, und ein Teil war bedacht, das im Laufe des Tages getrocknete
Heu in hochbeladenen Wägen durch die Tore einzuführen. Ich konnte wegen der
großen Entfernung das Einzelne der Arbeiten nicht unterscheiden, so wie ich die
eigentliche Bauart und die nähere Einrichtung der Gebäude nicht wahrnehmen
konnte.
    »Was Ihr von
