 Tiergestalten und selbst
untergeordnete Menschen- und Götterbilder aus farbigem Marmor, aus Sandstein,
aus Holz, Ton, Gold oder Silber verfertigten. Es wäre zugänglicherer,
behandelbarerer Stoff gewesen: Holz, Erde, weicher Stein, manche Metalle: sie
aber gruben weißen Marmor aus der Erde und bildeten aus ihm. Aber auch die
andern Edelsteine, aus denen man verschiedene Dinge macht, geschnittene Steine,
allerlei Gestalten, Blumen- und Zierwerk, so wie endlich diejenigen, die man
besonders Edelsteine nennt und zum Schmucke der menschlichen Gestalt und hoher
Dinge anwendet, haben in ihrem Stoffe etwas, das anzieht und den menschlichen
Geist zu sich leitet, es ist nicht bloß die Seltenheit oder das Schimmern, das
sie wertvoll macht.«
    »Habt Ihr auch die Edelsteine kennen zu lernen gesucht?« fragte sie.
    »Ein Freund hat mir vieles von ihnen gezeigt und erklärt«, antwortete ich.
    »Sie sind freilich für die Menschen sehr merkwürdig«, sagte sie.
    »Es ist etwas Tiefes und Ergreifendes in ihnen,« antwortete ich, »gleichsam
ein Geist in ihrem Wesen, der zu uns spricht, wie zum Beispiele in der Ruhe des
Smaragdes, dessen Schimmerpunkten kein Grün der Natur gleicht, es müsste nur auf
Vogelgefiedern wie das des Kolibri oder auf den Flügeldecken von Käfern sein -
wie in der Fülle des Rubins, der mit dem rosensamtnen Lichtblicke gleichsam als
der vornehmste unter den gefärbten Steinen zu uns aufsieht - wie in dem Rätsel
des Opals der unergründlich ist - und wie in der Kraft des Diamantes, der wegen
seines großen Lichtbrechungsvermögens in einer Schnelligkeit wie der Blitz den
Wechsel des Feuers und der Farben gibt, den kaum die Schneesterne noch der
Sprühregen des Wasserfalles haben. Alles, was den edlen Steinen nachgemacht
wird, ist der Körper ohne diesen Geist, es ist der inhaltleere, spröde, harte
Glanz statt der reichen Tiefe und Milde.«
    »Ihr habt von der Perle nicht gesprochen.«
    »Sie ist kein Edelstein, gesellt sich aber im Gebrauche gerne zu ihm. In
ihrem äußern Ansehen ist sie wohl das Bescheidenste; aber nichts schmückt mit
dem so sanft umflorten Seidenglanze die menschliche Schönheit schöner als die
Perle. Selbst an dem Kleide eines Mannes, wo sie etwas hält, wie die Schleife
des Halstuches oder wie die Falte des Brustlinnens, dünkt sie mich das Würdigste
und Ernsteste.«
    »Und liebt Ihr die Edelsteine als Schmuck?« fragte sie.
    »Wenn die schönsten Steine ihrer Art ausgewählt werden,« antwortete ich,
»wenn sie in einer Fassung sind, welche richtigen Kunstgesetzen entspricht, und
wenn diese Fassung an der Stelle, wo sie ist, einen Zweck erfüllt, also
notwendig erscheint: dann ist wohl kein Schmuck des menschlichen Körpers
feierlicher als
