 habe ich empfangen,
eine freundliche Aufnahme.«
    »Wenn auch gewiss eine freundliche Aufnahme das Höchste ist, und wenn Ihr
auch eine Bequemlichkeit nicht begehret,« antwortete sie, »so ist die
Freundlichkeit in den Mienen bei der Aufnahme eines Gastes nicht das Einzige, so
schätzenswert sie dort ist, sondern sie muss sich auch in der Tat äußern, und es
muss uns erlaubt sein, unsere Pflicht, die uns lieb ist, zu erfüllen und dem
Gaste eine so gute Wohnlichkeit zu bereiten, als es die Umstände erlauben, er
mag sie nun benützen oder nicht.«
    »Was Ihr für eine Pflicht haltet, will ich nicht bestreiten,« antwortete
ich, »ich will es nicht beirren, nur wünschen muss ich, dass es mit so wenig
eigener Aufopferung als möglich verbunden ist.«
    »Diese wird nicht groß sein,« sagte sie, »auf einige Aufmerksamkeit in
Hinsicht der Genauigkeit und Willigkeit der Leute kommt es an, und diese müsst
Ihr mir schon erlauben.«
    Sie zog mit diesen Worten an einer Glockenschnur, und bedeutete den
hereinkommenden Diener, dass er ihr den Hausverwalter rufe.
    Da dieser erschienen war, sagte sie ihm mit sehr einfachen und kurzen
Worten, dass für einen längeren Aufenthalt für mich in dem Hause auf das beste
gesorgt werden möge. Als er sich entfernen wollte, trug sie ihm noch auf,
vorerst dem Fräulein zu sagen, wer gekommen sei, sie würde es später auch selber
melden, und zum Abendessen würden wir in dem Speisezimmer zusammen kommen.
    Der Hausverwalter entfernte sich, und Matilde sagte, jetzt wäre das
Hauptsächlichste getan, und es erübrige später nur noch, sich einen Bericht über
die Mittel und die Art der Ausführung geben zu lassen.
    Wir gingen nun auf andere Gespräche über. Matilde fragte mich um mein
Befinden und um das Allgemeine meiner Beschäftigungen, denen ich mich in diesem
Sommer hingegeben habe.
    Ich antwortete ihr, dass mein körperliches Befinden immer gleich wohl
geblieben sei. Man habe mich von Kindheit an zu einem einfachen Leben
angeleitet, und dieses, verbunden mit viel Aufenthalt im Freien, habe mir eine
lauernde und heitere Gesundheit gegeben. Mein geistiges Befinden hänge von
meinen Beschäftigungen ab. Ich suche dieselben nach meiner Einsicht zu regeln,
und wenn sie ordnet und nach meiner Meinung mit Aussicht auf einen Erfolg vor
sich gehen, so geben sie mir Ruhe und Haltung. Sie sind aber in den letzten
Jahren, was meine Hauptrichtung anbelangt, fast immer dieselben geblieben, nur
der Schauplatz habe sich geändert. Die Nebenrichtungen sind freilich andere
geworden, und dies werde wohl fortdauern, so lange das Leben daure.
    Hierauf fragte ich nach dem Wohlbefinden aller unserer Freunde.
    Matilde antwortete, man könne hierüber sehr befriedigt sein.
