
dieses Vergnügen sich verlängere. Man billigte den Vorschlag, und freute sich
auf das Wachsen des Edleren, und freute sich auf den Augenblick, wenn das Haus
in einem würdigen Gewande da stehen würde, und man die Beruhigung hätte, es so
dem künftigen Besitzer übergeben zu können.
    Mit dem Anbruche des nächsten Tages fuhren mein Gastfreund, Eustach, Roland,
Gustav und ich auf dem Wege nach dem Rosenhause dahin.
    Als ich in Hinsicht der eben zugebrachten Tage etwas über das Landleben
sagte und die Annehmlichkeiten desselben berührte, und als wir eine Zeit über
diesen Gegenstand gesprochen hatten, sagte mein Gastfreund: »Das
gesellschaftliche Leben in den Städten, wenn man es in dem Sinne nimmt, dass man
immer mit fremden Personen zusammen ist, bei denen man entweder mit andern zum
Besuche ist, oder die mit andern bei uns sind, ist nicht erspriesslich. Es ist
das nämliche Einerlei, wie das Leben in Orten, die den großen Städten nahe sind.
Man sehnt sich, ein anderes Einerlei aufzusuchen; denn wohl ist jedes Leben und
jede Äußerung einer Gegend ein Einerlei, und es gewährt einen Abschluss, von dem
einen Einerlei in ein anderes über zu gehen. Aber es gibt auch ein Einerlei,
welches so erhaben ist, dass es als Fülle die ganze Seele ergreift, und als
Einfachheit das All umschließt. Es sind erwählte Menschen, die zu diesem kommen
und es zur Fassung ihres Lebens machen können.«
    »In der Weltgeschichte kommt wohl Ähnliches vor«, sagte ich.
    »In der Weltgeschichte kommt es vor,« antwortete er, »wo ein Mensch durch
eine große Tat, die sein Leben erfüllt, diesem Leben eine einfache Gestalt geben
kann, abgelöst von allem Kleinlichen - in der Wissenschaft, wo ein grossartiges
Feld höchsten Erringens vor dem Menschen liegt - oder in der Klarheit und Ruhe
der Lebensanschauungen, die endlich alles auf einige ausgedehnte, aber
einfältige Grundlinien zurück führt. Jedoch sind auch hier Masse und Abstufungen
wie in allen andern Dingen des Lebens.«
    »Von den zwei Hauptzeiträumen, welche das menschliche Geschlecht betroffen
haben,« erwiderte ich, »von dem sogenannten antiken und dem heutigen, dürfte
wohl der griechisch-römische das meiste von dem Gesagten aufzuweisen haben.«
    »Wir wissen zuletzt gar nicht, welche Zeiträume es in der Geschichte gegeben
hat«, antwortete er. »Die Griechen und Römer sind unserer Zeit am nächsten, wir
sind aus ihnen hervor gegangen, und wissen von ihnen auch das meiste. Wer weiß,
wie viele Völkerabschnitte es gegeben hat, und wie viele unbekannte
Geschichtsquellen noch verborgen sind. Wenn einmal ganze Reihen solcher
Völkerzustände wie Griechen-und Römertum vorliegen, dann lässt sich eher über
unsere Frage etwas sagen. Oder sind etwa
